Stadt Traunstein

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Der Sport in Traunstein verschafft sich Gehör

Von Hans Helmberger

Fünf Jahre waren vergangen, seit der Einmarsch der Amerikaner nach Traunstein den schrecklichen Krieg beendete, der vor allem in der jungen Bevölkerung so viele Opfer gefordert hatte. Allmählich begann sich das Leben wieder zu normalisieren - auch im Sport, der im Krieg fast zum Erliegen gekommen war. Die Vereine, welche schon zuvor bestanden hatten, erhielten von der amerikanischen Militärregierung nach und nach die Erlaubnis, wieder aktiv sein zu dürfen, neue wurden gegründet. Bald schon kam der Wunsch auf, mit einem losen Zusammenschluss der Sportvereine des Stadtgebiets die Zusammenarbeit untereinander zu verbessern, einen gemeinsamen Terminkalender festzulegen und nicht zuletzt bei einer Zuwendung öffentlicher Mittel für sportliche Zwecke gehört zu werden.

Der Turnverein hatte damals in einer Stellungnahme vorn 18. September 1950 dringend einen solchen angemahnt. Es sei die „letzte Gelegenheit, unseren in Traunstein zur Zeit sehr im Argen liegenden und auch durch unschöne Machenschaften in Misskredit gelangten Sport wieder auf eine anständige höhere Stufe zu stellen“. Der Aufruf fand Gehör, und schon am 6. Oktober trafen sich die Vertreter von dreizehn Vereinen und Verbänden bei Oberbürgermeister Berger im Rathaus, um den „Stadtverband für Leibesübungen“ aus der Taufe zu heben. Sechs Tage später stand im „Traunsteiner Wochenblatt“ zu lesen: „Dabei kann einmütig zum Ausdruck, dass ein starkes Bedürfnis bestehe, ohne große organisatorische Maßnahmen ein Forum zu schaffen, auf dein sich unter Beteiligung der Stadt die Traunsteiner Sportvereine zu einer wünschenswerten Zusammenarbeit begegnen können, ohne dass dadurch ihre Eigenständigkeit im geringsten angetastet wird.“ „Damit begann zunächst die indirekte und später dann offiziell durch Wahl bestätigte 29jährige Regentschaft Hans Dierls im Sportleben unserer Stadt Traunstein“, sagte dessen Nachfolger Hans Kösterke bei Dierls Verabschiedung 1979 über diese Anfänge des Stadtverbands.

Zu den geplanten zwei jährlichen Versammlungen sollten die Vereine einen oder zwei bevollmächtigte Vertreter, der Stadtrat zwei Stadtratsmitglieder, von denen einer den Vorsitz in den Versammlungen führt, und die Stadtverwaltung einen Vertreter entsenden. Schon einen Tag später ging eine Mitteilung der Stadtverwaltung mit dieser Nachricht an die Öffentlichkeit, und auch der  „Resident Officer“ Mr. William Garlock, also der für Traunstein zuständige Angehörige der amerikanischen Militärs, wurde davon unterrichtet, damit er seinen Segen dazu gebe. Die erste Hauptversammlung fand am 20. November statt, in der der Eissportclub als 14. Mitglied aufgenommen wurde. Es gab Diskussionen über den Röthelbachweiher, den man „für sportliche Zwecke sichern“ wollte und neben dem man mit Geldern der McCloy-Spende ein Jugendheim errichten wollte.

Schon auf der ersten Frühjahrsversammlung, am 9. März 1951, versuchte der Sport sich lautstark Gehör zu verschaffen. So wurde „gegen Veranstaltungen von Einzelpersonen oder fremden Interessengruppen im Stadtbereich unter dem Motto Sport ... schärfstens protestiert“. Es gab Ärger mit dem Fisstockclub: Dessen „Gebilde“ sei „höchst zweifelhafter Natur“. Dem „angeblichen Vereinsvorstand“ hatte man nämlich vorgeworfen, er wollte das Eis des stadteigenen Röthelbachweihers den Brauereien veräußern. Der Verein wurde aufgefordert, die Vorstandschaft namentlich zu benennen, ansonsten werde er aus dem Stadtverband „gestrichen“.

Mit der 1. Traunsteiner Sportwoche im Juli 1951 trat der Stadtverband erstmals an die Öffentlichkeit, erzielte dabei sogar einen Überschuss von 230,33 DM. Da spielte der 1. FC Traunstein gegen Rot-Weiß Oberhausen, auf dem jetzigen ESV-Platz wurde ein Radrennen ausgetragen und rund um den Lindl ein „Großstaffellauf“. Höhepunkt war ein bunter Sportabend, bei dem unter anderem Akrobatik, Gewichtheben, Rhönrad- und Rollschuhlauf-Vorführungen auf dem Programm standen. Bereits im Winter 1950/51 gab es ein Skijöring hinter Motorrädern. Das internationale Reit-, Spring- und Fahrturnier auf dem heutigen ESV-Platz war der sportliche Höhepunkt des Jahres 1952, der RMC trat mit Kunstradfahren auf den Plan, es wurde mit fünf Saalmaschinen trainiert. Großen Anklang bei den Radsportfreunden fand auch der „Große Straßen- und Bergpreis von Traunstein“ am 27. September 1953.

Die größten Diskussionen auf den Versammlungen, an denen damals auch die Leiter der Schulen und Gymnasien anwesend waren und sich rege an den Diskussionen beteiligten, gab es meist um die Fördermittel, da sich fast immer einige Vereine zuwenig berücksichtigt sahen. 1952 beispielsweise wurden die Mittel auf 3000 DM aufgestockt, Bergwacht und andere Jugendorganisationen wollten - wen wundert's - an dem Geldsegen ebenfalls beteiligt werden. 1953 aber wurde der Kreisjugendring aus dem Stadtverband herausgelöst und erhielt erstmals eigene Gelder zur Jugendförderung zugewiesen. Aus diesem Topf wurden von nun an auch Alpenverein, Bergwacht und Wasserwacht bedient.

War Hans Dierl bis 1954 sozusagen inoffiziell der „Chef“ des Stadtverbandes, so wurde er nun auf Vorschlag von Oberbürgermeister Josef Kößl offiziell gewählt. Die Sache war so klar, dass man es nicht für nötig erachtete, einen Wahlausschuss zu bestellen. In der Jahreshauptversammlung vom 2. August 1956 machte sich Oberbürgermeister Josef Kößl Gedanken über eine „stärkere Aktivierung des Sports in Traunstein“. Zu dem auf der Hauptversammlung des Turnvereins gemachten Vorschlag für einen Großverein meinte Kößl, das habe „Licht- und Schattenseiten“. Statt Neugründungen sei es auf jeden Fall besser, sich „als Unterabteilungen bestehenden Vereinen anzuschließen“. Auch die durch einen Brand beschädigte Bürgerwaldschanze kam zur Sprache, wobei der Stadt empfohlen wurde, sie möchte dem Club mit einer „Holzlieferung“ helfen. Kurz und bündig lief die Wiederwahl von Hans Dierl ab. Der hatte selbst eine Neuwahl vorgeschlagen, doch war die einhellige Meinung der Anwesenden, man sei mit dem Vorsitzenden zufrieden, und so erübrige sich eine solche.

Im Jahr 1957 konnte die „DJK Neutraunstein“ (neben der „DJK St. Oswald“) mit 45 Mitgliedern beim Stadtverband begrüßt werden. Als Vorsitzender kämpfte Hans Dierl weiter für »seinen« Sport, so trat er 1955 für die Abschaffung des Notgroschens bei Sportveranstaltungen ein, womit er aber erst 1958 Erfolg hatte, und hier nur bei Eintrittskarten bis 0,50 DM. Heftig gestritten wurde in dieser Zeit auch um die inzwischen überarbeitete Satzung, nach der die Zugehörigkeit zum Stadtverband an die Mitgliedschaft im Bayerischen Landessportverband (BLSV) gekoppelt wurde. Außerdem wurde die Beendigung der Mitgliedschaft durch Austritt geregelt. So äußerte der TV-Vorsitzende Kurt Binder seine Zweifel, ob es sich „beim Schachclub um einen Sportverein handelt“. Dessen Vorsitzender Fröhler wehrte sich energisch dagegen, „mit einem Skatclub verglichen zu werden“. Die Diskussion darüber ging noch ein paar Jahre weiter, denn 1960 legte Binder den Finger erneut in die Wunde - diesmal mit dem Argument, dass ein Schachlub ja „keine Leibesübungen betreibe“. Nun aber beendete Hans Dierl die Debatte mit dem Hinweis, dass Schach ein Fachverband im BLSV sei.

Die beiden DJK-Vereine fusionierten 1963, der Schachclub war aus dem BLSV ausgeschieden und der Radsportverein „Frischauf“ noch nicht im Verband, so dass die Zahl der Mitgliedsvereine im Stadtverband auf acht schrumpfte; trotzdem hatten die Stadtväter in diesem Jahr die Sportfördermittel auf 7000 DM angehoben. In den sechziger Jahren geisterte der sogenannte Goldene Plan, auch „2. Weg im Sport“ genannt, durch die Diskussionen. Dabei wurde unter anderem kritisiert, „dass der Lehrkörper keinen Willen zur Mitarbeit zeigt“.

Die prekäre Hallensituation in Traunstein wurde ebenfalls angesprochen. In diesem Zusammenhang hat es den Verantwortlichen im Traunsteiner Sport, allen voran Hans Dierl, an Visionen nicht gemangelt. So schlug Dierl auf der Jahreshauptversammlung am 16. Februar 1962 eine „Zentralsportanlage“ vor mit fünf bis zehn Spielfeldern, einer großen Halle und eventuell einem Schwimmbad „als Mindestforderung“. Ein Jahr später wies Oberbürgermeister Steger darauf hin, dass die Turnhalle der Mädchenoberschule „zum beachtlichen Teil aus Spenden der Eltern“ finanziert worden sei.

Doch im Goldenen Plan war Traunstein nicht enthalten, „obwohl sie im Herzen des Landkreises liegt“, wie es im Protokoll von 1964 heißt; doch das lag daran, dass Traunstein damals kreisfreie Stadt war. Der Wunsch nach Turnhallen in Traunstein ließ sich auf einen Nenner bringen: Die Bereitschaft war da, nicht aber das Geld. Und so regte Hans Dierl an, man solle ein Kuratorium aus bekannten Persönlichkeiten bilden, mit dem das Interesse der Bürgerschaft angeregt werden solle, den Bau finanziell zu unterstützen. Dass sich die Stadt keine großen Sprünge leisten könne, machte OB Steger deutlich: Der Krankenhausbau belaste den Stadthaushalt - Argumente, die jahrelang eine Rolle spielten.

Als 12. Mitglied wurde der Postsportverein am 23. Februar 1968 in den Stadtverband aufgenommen, und fünf Jahre später, am 27. Juli 1973, erlebte der Stadtverband seinen größten Zuwachs, denn nun kamen auch die motorsporttreibenden Clubs und die Schützenvereine hinzu. So wurden auf dieser Sitzung die kgl. privilegierten Feuerschützen, die Schützengesellschaften Kammer-Rettenbach, Eichengrün, Eschenforst, Trauneck und Haidforst sowie der RTC und MSC, der Schachclub und die Sportgemeinschaft Chiemgau integriert. Ein Jahr später kam auch die 170 Mitglieder zählende DJK Kammer als 22. Mitglied hinzu. Der Schachclub gehörte früher bereits dem Stadtverband an, hatte also dieses Gremium zuvor verlassen. Dessen 47 Mitglieder wurden im Jahr aus dem Stadtsäcken mit einem Zuschuss von 550 Mark bedacht. Inzwischen hatte sich mit dem »Schachclub Turm« ein weiterer Verein gegründet, der das »königliche Spiel« pflegt. Dessen Aufnahme in den Stadtverband als 26. Mitglied wurde bei sechs Gegenstimmen angenommen, wobei hier wieder einmal die Problematik der Satzung deutlich wurde, die die großen Traunsteiner Vereine angeblich benachteiligte. Werner Scholz vom Skiclub brachte seine Meinung auf den Punkt: „Es ist traurig, dass wir mit einfacher Mehrheit Mitglieder aufnehmen, aber nur einstimmig die Satzung ändern können.“

Ein eigenes Kapitel war die Sportgemeinschaft Chiemgau; dahinter verbargen sich die Anhänger der Freikörperkultur, die am Chiemsee ein eigenes Gelände haben. Mit dem Hinweis auf umfangreiche Jugendarbeit wollte der damalige Vorsitzende Hans Müller, zeitweise auch Vorsitzender des Skiclubs, an städtischen Zuschüssen beteiligt werden, wobei man in Traunstein jedoch Zweifel äußerte, ob es sich hier überhaupt um einen Traunsteiner Verein handle. Dafür wurde vom Vorsitzenden eine Aufstellung über die Mitgliederstruktur verlangt, worauf dieser die „demokratische Ordnung gefährdet, wenn nicht sogar missbraucht“ sah.

Überhaupt ist es vielen Vereinen in erster Linie um die Beteiligung an den städtischen Zuschüssen gegangen, wobei es schon seit den Anfangsjahren des Stadtverbands Diskussionen um den richtigen Weg dazu gab. Eine hitzige Debatte entzündete sich im Juni 1974, als sich der Turnverein mit seinen 847 Jugendlichen benachteiligt fühlte. Der Antrag des Turnvereins auf eine Änderung des Verteilerschlüssels hätte, so im Protokoll zu lesen, „»das Ende von 14 Verbandsmitgliedern im Stadtverband bedeutet“. Der Antrag wurde mit 18:1 abgeschmettert, anschließend beschloss man die Aufnahme der Jagdschützen, die freilich keinerlei Reaktion darauf zeigten. „Kritik an Jagdschützen; diese haben Schreiben des Stadtverbandes vom 1. 10. 74 nicht beantwortet. Wenn sie weiter ein solches Desinteresse zeigen, müsste die Hauptversammlung Über die weitere Mitgliedschaft nochmals beschließen“, hieß es am 24. Januar 1975 auf einer Vorstandssitzung.

Hans Dierl und seine Nachfolger

Bei der Gründung des Stadtverbandes für Leibesübungen war Hans Dierl treibende Kraft, und so war er auch ohne formelle Wahl auf Anhieb der „Chef“ in diesem Gremium, das er 29 Jahre lang führte. Seinen Abschied aus dem Stadtverband hatten sich wohl alle harmonischer vorgestellt, doch hat die „Traunsteiner Sportfamilie“«, wie der Zusammenschluss der Sportvereine der Stadt auch gerne genannt wird, dem langjährigen Vorsitzenden den gebührenden Abschied bereitet: Mit 29:0 Stimmen wurde er am 25. Januar 1979 auf der denkwürdigen Jahreshauptversammlung zum Ehrenvorsitzenden des Stadtverbandes ernannt.

Dabei hatte Hans Dierl nicht unbedingt an seiner Position gehangen, wenn man die Protokolle der vorausgegangenen Jahre liest. Nachdem er 1954 auf Vorschlag von Oberbürgermeister Josef Kößl nun auch offiziell als 1. Vorsitzender gewählt worden war, waren die folgenden „Wahlgänge“ auf den jeweiligen Hauptversammlungen stets nur Formsache. So hatte Dierl 1956 selbst eine Neuwahl des Vorsitzenden vorgeschlagen. Doch nach einhelliger Meinung der Anwesenden erübrige sich diese, da alle mit Hans Dierl zufrieden seien. Bei der Hauptversammlung 1959 kündigte Dierl nach seiner Wiederwahl an, nur noch ein Jahr tätig sein zu wollen - mit der Folge, dass er ein Jahr später auf drei Jahre wiedergewählt wurde. Als 1966 erneut eine Wahl anstand, bat er um eine „Ablösung im nächsten Jahr“, was die Vertreter der Sportvereine erneut nicht für bare Münze nahmen. 1971 war sein Drängen schon ein bisschen stärker: Da regte er an, „dass sich der Stadtverband für 1973 einen neuen Vorstand suchen soll“, er sei ein „Sinnbild eines ewigen Bettlers für die Sache des Sports“. Auf dieser Hauptversammlung erhielt Hans Dierl wenigstens Entlastung durch die Wahl eines Kassiers, nämlich Hermann Schröger, dem er am 1. März 1971 die Kasse übergab.

Als auf der Hauptversammlung am 27. Juli 1973 Hans Kösterke zum stellvertretenden Vorsitzenden und Gertrud Falkinger zur Schriftführerin gewählt wurden, hatte Hans Dierl weitere aktive Kräfte an seiner Seite. Das sah man vor allem an dem der DJK Traunstein angehörenden Hans Kösterke, der die Jugend-Sommerspiele organisierte und mit 1200 Teilnehmern gleich ein Rekordergebnis vermelden konnte. Am 9. Mai 1975 wurde dieses Quartett auf der Mitgliederversammlung komplett wiedergewählt - zum letzten Mal, denn nun begannen turbulente Zeiten für den Stadtverband.

Auslöser der ganzen Sache war die Diskussion um eine neue Satzung, denn nach der bisherigen Ordnung fühlten sich die größeren Vereine gegenüber den kleinen benachteiligt - zum einen hinsichtlich der finanziellen Förderung, zum anderen wegen des Abstimmungsverhältnisses. Wie in der UNO jeder Staat, so hatte im Stadtverband jeder Verein eine Stimme. Versuche, ein Stimmenverhältnis nach Vereinsgröße einzuführen, hatte es zuvor bereits gegeben, es konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Ein solches war bereits am 4. März 1960 beschlossen worden; demnach hatten der Turnverein 9, der ESV 5, der Skiclub 3, der Eissportclub 2 und alle anderen je 1 Stimme. In späteren Protokollen war jedoch von diesem Verhältnis keine Rede mehr.

Dann aber platzte die Bombe: Mit Schreiben vom 20. November 1978 an den stellvertretenden Vorsitzenden Hans Kösterke gab Hans Dierl seinen sofortigen Rücktritt bekannt und nannte als Grund den Entwurf einer Satzung für den hier „Sportverband Traunstein“ genannten Stadtverband für Leibesübungen. Darin war nämlich auch der Passus enthalten, dass ein Vorsitzender auf zwei Jahre gewählt werden solle - ohne Möglichkeit einer Wiederwahl. Dies vor allem sah Dierl gegen seine Person gerichtet. Oberbürgermeister Rudolf Wamsler versuchte noch zu vermitteln; es fand ein Gespräch mit den Vorsitzenden von Turnverein, Tennisclub und Post-SV statt, bei dem diese eine „Gemeinsame Erklärung“ abgaben, es habe ihnen von vornherein ferngelegen, Dierl nahezutreten. Sie äußerten ihr Bedauern, dass Dierl den Eindruck habe, dies sei gegen ihn gerichtet. Ausdrücklich erkannten sie die Verdienste von Hans Dierl um den Stadtverband an. Dieser machte darin seinen sofortigen Rücktritt rückgängig, um dann auf der Jahreshauptversammlung „aus gesundheitlichen Gründen“ auf eine Widerwahl zu verzichten. Dierl sah nämlich keine Möglichkeit mehr, „mit einzelnen Vereinen zusammenzuarbeiten“.

Die SG Trauneck zeigte sich in einem Schreiben an Dierl bestürzt, zwanzig Vereine starteten eine Unterschriftenaktion mit der Bitte, dass er seinen Rücktritt zurücknehme. Peter Gawlik (Post-SV) machte sich auf der Jahreshauptversammlung am 25. Januar 1979 zum Sprecher der drei Vereine und wies darauf hin, dass es im Jahr zuvor bei der Mitgliederversammlung die Anregung gegeben habe, sich Gedanken über eine neue Satzung zu machen. Das Papier sei eine Diskussionsgrundlage gewesen. „Es war nicht gedacht, ihn auf den Mond zu schießen“, rechtfertigte sich Gawlik. Es wurde die Gemeinsame Erklärung vom 23. Januar 1979 verlesen, in der Hans Dierl seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt gab und die betroffenen Vereine eine Erklärung abgaben, dass es ihnen ferngelegen habe, damit Dierl zu treffen.

Unter Leitung von Oberbürgermeister Rudolf Wamsler, der vorher die Verlängerung der Amtszeit des Vorsitzenden mit Zustimmung aller Vereine von drei auf vier Jahre vorgeschlagen hatte, wurde der bisherige stellvertretende Vorsitzende Hans Kösterke zum neuen Vorsitzenden gewählt, sein Stellvertreter wurde Uwe Steinmetz; Schriftführerin Gertrud Falkinger und Kassier Hermann Schräger erhielten erneut das Vertrauen der Mitglieder. Hans Dierl aber wurde mit 29:0 Stimmen zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit einer feierlichen Verabschiedung im Kulturzentrum am 5. Oktober 1979 würdigten Stadt und Sportvereine noch einmal die Verdienste des langjährigen Vorsitzenden. Im Mittelpunkt stand Hans Dierl dann erneut beim 50. Sportstammtisch am 3. Oktober 1988, als man ihm zum 75. Geburtstag gratulierte. Am 2. Dezember 1990 ist Hans Dierl nach langer Krankheit gestorben, eine große Trauergemeinde begleitete ihn auf dem Waldfriedhof auf seinem letzten Weg - und alle waren sich einig, dass sich der langjährige Stadtverbandsvorsitzende Hans Dierl um den Sport in Traunstein sehr verdient gemacht hat.

Mit Hans Kösterke und Uwe Steinmetz stand nun ein neues Duo an der Spitze des Stadtverbandes, der unter Federführung des Städtischen Verkehrsamts vor allem die alle zwei Jahre an wechselnden Orten stattfindenden Sportlertreffen zu organisieren hatte. Die Diskussionen auf den Versammlungen drehten sich weiterhin vorwiegend um die Finanzen, wobei ein von Kommunalpolitikern ins Gespräch gebrachter „Solidaritätsbeitrag“ bei der Nutzung der Sporthallen für große Aufregung sorgte, bald aber „vom Tisch“ war (Traunsteiner Wochenblatt/29. Juli 1983).

Kösterke und seine Mannschaft hatten in den achtziger Jahren vor allem die Sommer- und Winterjugendspiele zu organisieren, auch die Sportlertreffen fanden in dieser Zeit ihre größte Resonanz. Als einer der Höhepunkte ist Kösterke noch die große Sportpalette zum 30jährigen Bestehen des Stadtverbandes in der Chiemgauhalle in Erinnerung, die im Rahmen des Sportlertreffens mit Gap und Pinerolo begangen wurde. Doch am 16. November 1987 trat Hans Kösterke als 1. Vorsitzender zurück, weil er bei den Vereinen zuwenig Resonanz auf die Arbeit des Stadtverbandes sah. Er kritisierte die Meldemoral hinsichtlich der Mitgliederzahlen und fehlendes Interesse an der Sportlerehrung. Viele Vereine sähen, so Kösterke, den Stadtverband nur als „Sprungbrett zum Geld“. Bis zum Stichtag 1. Oktober war nämlich kein Antrag für eine Sportlerehrung eingegangen, obwohl entsprechende Erfolge vorhanden gewesen seien, für das Jahr 1988 wurde daraufhin die Sportlerehrung abgesagt. Für den zurückgetretenen Hans Kösterke übernahm nun Uwe Steinmetz kommissarisch die Leitung des Stadtverbandes, ehe am 31. März 1988 Helmut Köppl zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt wurde.

In den ersten Jahren von dessen Amtszeit wurde auch heftig über eine Sportanlage in den Traunauen in Empfing diskutiert, wo der Landkreis auf dem inzwischen in seinen Besitz übergegangenen Sportgelände des ESV eine große Turnhalle für die kreiseigenen Schulen an der Wasserburger Straße errichten wollte, verbunden mit den nötigen Freisportanlagen. Doch über das Stadium der Diskussion sind diese Pläne nicht hinausgekommen, und spätestens im Jahr 2000 haben sie sich mit dem Bau der neuen Dreifachhalle in der Wasserburger Straße ohnehin überholt. Für die Traunsteiner Vereine ist dies dennoch ein Erfolg, denn mit entsprechender Beteiligung der Stadt wird auch auf die Bedürfnisse des Vereinssports eingegangen.

Mit der Jahreshauptversammlung im April 2000 hat der Stadtverband auch die Weichen für die Zukunft und damit eine Verjüngung der Vorstandschaft gestellt: Während der Versammlung haben die Anwesenden auf Antrag der Vorstandschaft die Position eines 3. Vorsitzenden geschaffen, in die der junge Stadtrat Stefan Namberger aus Wolkersdorf gewählt wurde. Seit 2004 steht Namberger an der Spitze des Stadtverbandes, der im gleichen Jahr die neue Bezeichnung „Stadtverband der Sportvereine“ erhalten hat.

Hans Helmberger begleitete das Sportgeschehen in Traunstein 33 Jahre als leitender Sportredakteur des Traunsteiner Tagblatts. Er ist Verfasser der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Stadtverbandes für Leibesübungen im Jahr 2000.