Stadt Traunstein

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Dauerausstellung „Papst Benedikt und Traunstein“ im Rathaus

Präsentation des Stadtarchivs dokumentiert die Beziehungen Joseph Ratzingers zu seiner „Vaterstadt“

Vitrine Papst

Eine kleine Präsentation über die Beziehungen Papst Benedikts zu Traunstein ist im Eingangsbereich des Rathauses zu sehen

Betrachtet man die vom Stadtarchiv Traunstein zusammengestellte Ausstellung, fällt einem zunächst das Papstporträt Walter Angerers des Jüngeren ins Auge. Es handelt sich hierbei um einen limitierten Siebdruck, den der Siegsdorfer Künstler der Stadt für diesen Zweck verehrt hat. Das Originalgemälde wurde dem Heiligen Vater während der Generalaudienz am 7. September 2005 von einer Traunsteiner Delegation mit Landrat Hermann Steinmaßl und Stadtpfarrer Sebastian Heindl an der Spitze persönlich überreicht und befindet sich nun im Besitz des Vatikans. Zusammen mit diesem dekorativen Kunstwerk füllt liturgisches Gerät aus der Hauskapelle des 1972 aufgelassenen Bürgerheims die mittlere Vitrine; verlässlichen Zeitzeugenberichten zufolge hatte Joseph Ratzinger als junger Priester dort bei seinen Besuchen in Traunstein in den 50er Jahren des Öfteren aushilfsweise die heilige Messe gelesen. Ob er dabei auch die gezeigte Monstranz, den Hostien- bzw. Weinkelch oder das Weinkännchen in Händen hielt, ist nicht überliefert und bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen…

Der linke Schaukasten bietet unter anderem Platz für das Goldene Buch der Stadt Traunstein mit dem Eintrag von Joseph und Georg Ratzinger anlässlich ihres (bislang einzigen) offiziellen Besuchs am 12. Mai 2002. Bilder davon sind auch auf einer an der Rückwand angebrachten Fototafel mit zu sehen; ein zweiter Rahmen enthält die Stimmen des Traunsteiner Tagblattes zur Wahl und Inthronisation Benedikts.

Aus gegebenem Anlass – am 8. Februar 2006 wurde Papst Benedikt XVI. in Rom die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Traunstein überreicht – sind auch Exponate zu sehen, welche die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den Heiligen Vater lebendig werden lassen. An erster Stelle zu nennen ist hier die originalgetreue Kopie der Urkunde; sie dokumentiert den einstimmigen Beschluss des Stadtrates vom 16. Juni 2005, „seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. in Anerkennung seiner Persönlichkeit und der persönlichen Verbindungen zu Traunstein als ‚seiner Vaterstadt’ das Ehrenbürgerrecht der Stadt Traunstein zu verleihen“ und ist – mit den Orten Traunstein und Rom – auf den 8. Februar 2006 datiert. Es ist, nebenbei bemerkt, genau 50 Jahre her, dass mit Franz Unterforsthuber letztmals einer Persönlichkeit diese höchste Ehrenbezeugung der Stadt zuerkannt wurde. Seiher wurden zwar immer wieder verdienstvolle Männer und Frauen geehrt, dies jedoch“ mit der „Ehrenmedaille“ bzw. dem „Ehrenring“. Ausgestellt ist auch das handsignierte Schreiben des Papstes, in dem er „die mir angetragene Würde eines Ehrenbürgers“ gerne und mit großer Freude annimmt, sowie die Medaille des ersten Pontifikatsjahres in Silber, die Benedikt XVI. Oberbürgermeister Fritz Stahl als kleine Gegengabe im Rahmen der offiziellen Urkundenübergabe überreicht hat. Ein Bilderbogen illustriert den Ablauf der Zeremonie in einem Nebenraum des großen Audienzsaals, und natürlich dürfen auch die entsprechenden Schlagzeilen und Berichte des „Traunsteiner Tagblattes“ nicht fehlen, die in einer Schautafel den noch nicht einmal ein Jahr alten Meldungen von der sensationellen Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum 265. Papst der Kirchengeschichte am 19. April 2005 gegenübergestellt werden.

Benedikt XV. – eigentlich Marquese Giacomo della Chiesa (* 21. November 1854 in Genua; † 22. Januar 1922 in Rom) – war Papst von 1914 bis 1922. Sein engagiertes Auftreten gegen den ersten Weltkrieg machte ihm als „Friedenspapst“ bekannt. Ihn und die Ideale des heiligen Benedikt von Nursia setzte sich Joseph Kardinal Ratzinger bei der Wahl seines Papstnamens zum Vorbild, und sein Porträt – ein Zufallsfund aus den Sammlungsbeständen des Stadtarchivs – ziert auch die rechte Vitrine. Interessant ist auch die Fotomontage mit sämtlichen Kandidaten des Priesterseminars Freising, die 1951 von dem legendären Michael Kardinal Faulhaber ihre Weihe erhielten, unter ihnen Joseph und Georg Ratzinger, Rupert Berger sowie der langjährige Pfarrer von Surberg Karl Stadler, eine freundliche Leihgabe des Diözesanarchivs München-Freising. Neben den Druckwerken der Stadt (die Broschüre ist inzwischen auch in italienischer und englischer Sprache erschienen) und einer kurzen Schilderung der „Jugend in Traunstein“ wird hier auch ein italienischer Reisführer („La Baviera di Joseph Ratzinger“) vorgestellt, zu dessen Erscheinen das Traunsteiner Stadtarchiv einiges an Material und Arbeit beigesteuert hat. Entsprechend umfassend wird der Zentralort des Chiemgaus den italienischen Touristen auch vorgestellt, sicher nicht zu seinem Schaden. Joseph Ratzingers Wahl zum Papst hat Traunstein eben auch ein Stück internationaler Bekanntheit beschert, die man sich ansonsten wohl kaum hätte erarbeiten können. Und um der damit verbundenen Verantwortung gerecht zu werden, gilt, wie sonst kaum, die lateinische Forderung „uti, non abuti“ – gebrauchen, nicht missbrauchen.

Die Stadt Traunstein ist hier bislang, trotz hin und wieder auftauchender gegenteiliger Forderungen, einen konsequenten Weg gegangen. Mit dieser Ausstellung zur historischen und aktuellen Verbindung Benedikt XVI. mit der Stadt seiner Jugendzeit wird dieser sinnvoll weitergeführt. Die sehenswerte Präsentation ist täglich zu den Öffnungszeiten des Rathauses (Montag bis Donnerstag jeweils von 8 bis 16 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr) zu besichtigen (Franz Haselbeck).