Kulturspaziergang durch Traunstein

Ihr Rundgang beginnt und endet im Brunnenhof (A) des Alten Landgerichts. Die historische Salzmaierstiege, die überdachte Treppe oder der Schrägaufzug ermöglichen den Abstieg zum Karl-Theodor-Platz, Teil der bis 1914 selbständigen Salinengemeinde Au. Die Kapelle St. Rupert und Maximilian (B), der benachbarte Marienstock und die malerischen Salinenhäuser (C) sind Relikte der Traunsteiner Salzgeschichte.
Über die Apothekerstiege oder den Lift gelangt man zur Fußgängerzone am Maxplatz, den der repräsentative Pfarrhof mit seiner Lourdes-Kapelle (D) dominiert. Am Ende der Marienstraße befindet sich das "Traunsteiner Tagblatt". Das dortige Druckereimuseum (E) lohnt einen Besuch. Einen Hinweis auf die turnerische Tradition der Stadt gibt das Jahn-Denkmal schräg gegenüber.
Die Pinerolostraße am Stadtpark mündet in die Bahnhofstraße, wo zwei Jugendstilfassaden (F) die Blicke auf sich ziehen. Die Kirche St. Georg und Katharina (G) im nördlichen Parkteil ist nunmehr Mittelpunkt der Kriegergedächtnisanlage. Bis zur endgültigen Auflassung im Jahr 1920 war hier der städtische Friedhof, woran neben der Kirche nur noch die Arkaden an der Westseite erinnern. Als modernes Pendant dazu wirkt der Bogengang des Kulturzentrums mit Verkehrsamt und Stadtbücherei.
Entlang der Ludwigstraße führt Ihr Weg erneut stadteinwärts. Auf der linken Straßenseite werden die baulichen Überreste des säkularisierten Kapuzinerkonvents als Städtische Galerie (H) und Kunstraum Klosterkirche (I) heute kulturell genutzt. Die Ausstellungen und Veranstaltungen, engagiert und anspruchsvoll konzipiert, erfahren allseits Lob und guten Zuspruch.
Durch den Oberen Turm betreten Sie den Stadtplatz. Linker Hand lässt die vormalige Zieglerwirtsgaststätte (J) noch den Inn-Salzach-Stil – mit Laubengängen, Erkern und hochgezogenen Scheinmauern – erahnen, der Traunstein bis zum Brand von 1851 prägte. Turm und Wirtschaft "überlebten" dieses Unglück und beherbergen seit den 20er Jahren das Heimatmuseum.
Schon 1342, in der ältesten Urkunde des Stadtarchivs, findet die Pfarrkirche St. Oswald (K) ihre erste Erwähnung. In der Schaumburgerstraße verbrachte der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Thomas Bernhard (Gedenktafel am Haus Nr. 4) einen Teil seiner Kindheit. Die Mühlenstiege erlaubt einen schönen Blick auf die Unterstadt, den 1860 erbauten Eisenbahnviadukt über die Traun sowie zur Ettendorfer Kirche. Das spätgotische Gotteshaus mit seinen wertvollen Fresken ist Ziel des traditionellen Georgirittes, der alljährlich am Ostermontag Tausende von Besuchern in die Stadt lockt.
Vom Taubenmarkt weist ein Durchgang den Weg zurück zum Stadtplatz, der nach seiner Neugestaltung wieder zum Mittelpunkt des städtischen Lebens geworden ist. Als das Wahrzeichen Traunsteins gilt die Figur des Lindlbrunnens (L). Der aufgelassene Schöpfbrunnen schräg davor (unter verglastem Metallzylinder) ist ein kulturelles Erbe aus der Zeit der Stadtgründung. An der Nordseite erfreut die prächtig bemalte Fassade der Marienapotheke den Betrachter. Der Untere oder Jacklturm (M) wurde 1998/99, knapp 150 Jahre nach seiner Zerstörung, wieder errichtet.
Salzmaieramt und Altes Landgericht bilden zusammen mit dem Rathaus (N) das "markante Dreigestirn" der Stadtplatz-Südseite. Das Zentrum der städtischen Verwaltung, ein Haus für den Bürger, stellt mit seiner "Alten Wache" einen weiteren attraktiven Ausstellungsraum bereit. Durch die Höllgasse, vorbei an der Gedenktafel für Ludwig Thoma – der sich tatsächlich von 1890 bis 1893 als Rechtspraktikant in Traunstein aufhielt – erreichen Sie wieder den Brunnenhof (A).
Lohnende Ausflugsziele im Stadtgebiet sind Haslach mit der Pfarrkirche "Mariä Verkündigung" und ihren spätmittelalterlichen Epitaphien, Kammer, der Geburtsort des Barockbildhauers und Elfenbeinschnitzers Balthasar Permoser (1651-1732), als dessen Hauptwerk die bauplastische Ausstattung des Dresdner Zwingers gilt, sowie der Hochberg, dessen faszinierendes Panorama die Schönheit der Chiemgauer Voralpenlandschaft offenbart.

Wegführung in Kurzform:
Brunnenhof – Salzmaierstiege (neue Treppe, Schrägaufzug) - Karl-Theodor-Platz – Salinenkapelle –Salinenhäuser in der Au – Apothekerstiege (oder Aufzug) – Maxplatz – Lourdes-Kapelle am Pfarrhof – Marienstraße – Druckereimuseum beim "Traunsteiner Tagblatt" – Pinerolostraße am Stadtpark - Bahnhofstraße – Kulturzentrum – St. Georg und Katharina mit Kriegergedächtnisanlage – Ludwigstraße stadteinwärts – Städtische Galerie und Kunstraum Klosterkirche – Maxplatz – Heimathaus – St.-Oswald-Kirche – Schaumburgerstraße bis zur Mühlenstiege und zurück – Taubenmarkt – Lindlbrunnen – Rundgang am Stadtplatz – Salzmaieramt/Landgericht/Rathaus – Höllgasse - Brunnenhof

A) Brunnenhof

Brunnenhof

Die Salzmaierstiege war der direkte Weg von der Stadt hinab in die Au. Von 1619 bis 1912 wurde hier Salz erzeugt. Eine Holzdeichelleitung, technisches Meisterwerk von Hans Reiffenstuel und dessen Sohn Simon, führte die Reichenhaller Sole über Inzell und Siegsdorf in die Saline vor den Toren Traunsteins. Der Werksiedlung lag das städtebauliche Vorbild der Augsburger Fuggerei zu Grunde. Ein landesherrlicher Beamter, der "Salzmaier", der selbst in einem herrschaftlichen Haus am Stadtplatz residierte, war zugleich ihr oberster Verwaltungs- und Gerichtsherr.

B) Salinenkapelle St. Rupert und Maximilian

Geistliches Zentrum der Au war ihre Kapelle, erbaut 1630/31 von dem ortsansässigen Maurermeister Wolf König nach Plänen Isaak Baders. Erst 1671, 40 Jahre nach seiner Fertigstellung, wurde dieser heute bedeutendste Sakralbau der Stadt dem Salzheiligen Rupert sowie dem Namenspatron Herzog Maximilians, dem Gründer der Saline, geweiht.

C) Salinenhäuser

Salinenhäuser

Kern der geschlossenen Anlage waren der Wilhelmi-, Maximiliani, Ferdinandi- und Alberti-Stock, benannt nach Mitgliedern des Hauses Wittelsbach. Sie vereinigten jeweils ein "Pfieselhaus" (zum Härten des Salzes) im Erdgeschoss, darüber zwei "Salzbehälter" sowie Wohn- und Werkstätten unter einem Dach. Rückseitig schlossen sich die hölzernen Sudstätten an, die 1786/87 mit der Errichtung des in den 20er Jahren abgebrochenen Karl-Theodor-Sudhauses überflüssig wurden. In das (farbig abgehobene) "Brunnhaus" mündete die Soleleitung. Hier wohnte später der 1937 von den Nationalsozialisten in den Tod getriebene Widerstandskämpfer Hans Braxenthaler.

D) Lourdes-Kapelle am Pfarrhof

Lourdes Kapelle am Pfarrhof

Erst seit 1850 ist Traunstein Pfarrsitz – ursprünglich war St. Oswald lediglich Filiale der Pfarrei Haslach etwa drei Kilometer südwestlich der Stadt. 1939 wurde die Lourdes-Kapelle an der Klosterkirche (dort seit 1886) abgebrochen und vor dem Pfarrhof am Maxplatz neu errichtet, ein Ort der Ruhe und Besinnung inmitten städtischer Geschäftigkeit.

E) Druckereimuseum des "Traunsteiner Tagblattes"

Druckereimusem

Das sehenswerte Museum der seit 1855 bestehenden Lokalzeitung "Traunsteiner Tagblatt", bis 1999 unter dem Namen "Wochenblatt" erschienen, ist jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr (und darüber hinaus nach Vereinbarung) geöffnet. Prunkstück der Dauerausstellung ist die abgebildete Senefelder Stangenpresse aus dem Jahr 1851, auch Galgenpresse genannt, auf der vom Stein gedruckt wurde.

F) Jugendstilhäuser

Jugendstilhäuser

Der Brand des Jahres 1851 hat das frühneuzeitliche Gepräge der Stadt weitgehend zerstört. Von kunsthistorischer Relevanz sind daher vor allem der Jugendstil und verwandte Formen. Dem Gebäude Bahnhofstraße 16 liegt ein preisgekrönter Entwurf der bekannten Architekten und Baumeister Josef und Sebastian Polz zugrunde. Ein Abstecher in das "Villenviertel" am Wochinger Spitz (Leonrod-, Hausen-, St.-Oswald-Straße) würde weitere schöne Beispiele offenbaren.

G) St. Georg und Katharina mit Kriegergedächtnisanlage im Stadtpark

St Georg und Katharina

1639 verlegte man die bereits 1405 erwähnte Kirche St. Georg und Katharina vom Stadtplatz zum neuen städtischen Friedhof. 1920 wurde dieser aufgelassen, das Areal zur Kriegergedächtnisstätte umgewandelt. Der 1837 enthüllte Obelisk, einer der ältesten in Bayern, erinnert an die Napoleonischen Feldzüge, das Raupenhelmdenkmal an die Gefallenen von 1870/71. Metallene Bücher bei der Kirche führen die Toten der beiden Weltkriege auf, und seit 1994 wird auch der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung gedacht. In einer ehemaligen Semmelbröselfabrik wurde 1977 das Kulturzentrum eröffnet. Unter den Zwangsarbeiterinnen, die dort im Dritten Reich eingesetzt wurden, war auch die Schriftstellerin Luise Rinser ("Gefängnistagebuch"). Heute bietet das Tourismusbüro Wissenswertes für den Gast, die Bücherei versorgt den Interessierten mit Literatur, und regelmäßig finden Ausstellungen, Konzerte und Diavorträge statt.

H) Städtische Galerie

Städtische Galerie

Ebenso wie der Friedhof war auch das 1806 säkularisierte Kapuzinerkloster außerhalb der Stadtmauer angesiedelt. Erbaut wurde es 1687 bis 1690. Nach Teilabriss und profanem "Zwischenspiel" fand es 1857 bis 1937 als Mädchenvolksschule der Englischen Fräulein wieder eine angemessene Verwendung. Das rückwärtige Gebäude wurde 1964 durch den Neubau der Ludwig-Thoma-Volksschule ersetzt. Im renovierten "Portenstock", dem vormaligen Wohntrakt des Konvents, befindet sich seit 1980 die Städtische Galerie, deren attraktives Jahresprogramm deutliche Akzente im städtischen Kulturbetrieb setzt.

I) Kunstraum Klosterkirche

Klosterkirche

1690 zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht, wurde die Klosterkirche nach der Säkularisation jahrzehntelang zu einem Getreidespeicher degradiert; Dachreiter und Seitenkapelle hatte man zuvor abgerissen. Als Schulgotteshaus erlebte sie 1857 eine unerwartete Renaissance, erhielt 1866 einen neuen Glockenturm und 1920 ihre heutige Wand- und Deckenbemalung. Erst 1978 wurde sie endgültig geschlossen und exsekriert. 1986 erwarb die Stadt für einen symbolischen Kaufpreis die ehemalige Kirche und sanierte sie bis 1990, vier Jahre später gelang der Kulturfördervereinigung ARTS die Umwandlung in einen viel beachteten "Kunstraum" für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte.

J) Heimatmuseum – Oberer oder Brothausturm und Zieglerwirtsgaststätte

Heimatmuseum

Letztes Zeugnis der mittelalterlichen Befestigung ist der 1541 erbaute Obere Turm. Das benachbarte Zieglerwirtshaus dokumentiert die – bis 1851 auch für Traunstein typischen – Merkmale der Inn-Salzach-Architektur: Laubengänge, Erker und hochgezogene Feuermauern. Stadt und Land – Hand in Hand – Eines Gau´s – Heimathaus: Dieser Wahlspruch an der Westseite des Turmes weist plakativ auf das in beiden Gebäuden untergebrachte Heimatmuseum hin. Es zeigt Exponate zur bürgerlichen Kultur, zur sakralen Kunst, Volksfrömmigkeit sowie zur Geschichte der Saline; ein detailgenaues Modell gibt Traunstein um 1890 wieder. Aus der Privatsammlung der Familie von Heimendahl wird altes Spielzeug von 1870 bis 1960 präsentiert. Sonderausstellungen runden das Angebot ab. (Öffnungszeiten: Mai bis Oktober 10-15 Uhr und nach Vereinbarung.)

K) Stadtpfarrkirche St. Oswald

Stadtpfarrkirche

Auch die dem Heiligen Oswald geweihte Pfarrkirche wurde von den beiden Stadtbränden 1704 und 1851 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Im Kern entspricht sie aber noch der zwischen 1675 und 1690 erbauten Wandpfeilerkirche mit Emporen. Die Pläne stammen von Caspare Zuccalli, Baumeister waren Lorenzo Sciasca und Antonio Riva, sämtliche der Graubündner Schule entstammend. Der Traunsteiner Max Fürst, Kirchenmaler und verdienter Heimatforscher, fertigte 1904 bis 1909 die Fresken. Weitgehend neueren Datums ist auch die Einrichtung. Beachtenswerte Ausnahmen sind die barocken Seitenfiguren des Hochaltars, Rupert und Maria. (Zusätzliche Informationen können dem aufliegenden Kirchenführer entnommen werden.)

L) Lindlbrunnen und historischer Ziehbrunnen

Lindlbrunnen/ Ziehbrunnen

Traunsteins Wahrzeichen (neben Viadukt und Oswaldkirche) ist der "Lindl", 1526 von Meister Steffan aus rotem Ruhpoldinger Marmor geschaffen. Die lebensgroße Figur stellt einen Ritter in maximilianischer Rüstung dar. Der Brunnen selbst wurde anstelle eines älteren aus Eichenholz erst 1646 gefertigt. Eine kleine archäologische Sensation ist der im Zuge der Stadtplatzsanierung gefundene Schacht, ein Schöpfbrunnen aus der Zeit der Stadtgründung um 1250. Die Bergung seines Inhaltes brachte Alltagsgegenstände, Münzen und Nahrungsabfälle der frühen Neuzeit zu Tage, die interessante Einblicke in die bürgerliche Sozialgeschichte gewähren.

M) Unterer oder Jacklturm

Jacklturm

Der Abbruch des 1851 schwer beschädigten Jacklturmes, von vielen Zeitgenossen heftig kritisiert, hinterließ eine deutliche Lücke am Stadtplatz. Dem 1983 gegründeten Förderverein "Alt-Traunstein" gelang es 1999, diese zu schließen. Nach fast 150 Jahren vervollständigt und bereichert der Turm nun wieder das Stadtbild.

N) Salzmaier- oder Hauptsalzamt, Altes Landgericht, Rathaus

Salzmaieramt

Drei Verwaltungsgebäude wurden Mitte des 19. Jahrhunderts an der Stadtplatz-Südseite errichtet: das Hauptsalzamt auf den Gewölben des barocken Salzmaierhauses (1716 erbaut von dem Münchner Hofbaumeister Viscardi), das Landgericht im "florentinischen Stil" anstelle des Stadtschreiberhauses sowie des alten Rathauses von 1576 und das neugotische Rathaus (heutige Fassade von 1947/49) auf den Grundfesten eines vormaligen Bürgerhauses. 1995 bis 1999 wurde der gesamte Komplex saniert und dabei ein dem Vorgängerbau des Salzmaieramtes zugehöriges Brunnenhaus aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert offengelegt.

 

Aus der Stadtgeschichte

Zwar nennen kirchliche Güterverzeichnisse schon um 790 Besitzungen ad Trun, und auch mittelalterliche Wehranlagen (Burgställe) sind ab dem 10. Jahrhundert in der näheren Umgebung nachweisbar, Trauwenstain selbst aber wird erstmals 1245 in einer Schrift des Klosters Baumburg erwähnt. Der Name bedeutet Burg an der Traun, und mit einiger Wahrscheinlichkeit befindet sich hier der Sitz der Herren de Truna, umgeben von einer kleinen Ansiedlung. Erst die Wittelsbacher bauen diese planmäßig aus, befestigen sie und kontrollieren so den Traunübergang der wichtigen Salzstraße von Reichenhall nach München an der Grenze zu Salzburg.

Um 1300 wird Traunstein als Stadt beschrieben, mit Bürgern, Zöllen, drei Mühlen und zwei Toren sowie umfassenden Privilegien. Ein Meilenstein ist die urkundliche Bestätigung dieser Rechte im Jahre 1375. Als Zentrum von Handel (vor allem mit Salz und Getreide) und Handwerk sowie als Gerichtssitz gelangt Travnstain zu Ansehen und Wohlstand. 1493 werden die Gassen gepflastert; in der Folge entstehen die Figur des Lindlbrunnens (1526), Oberes (1541) und Unteres Tor (1548), ein mächtiger Salzstadel (1568) sowie ein neues Rathaus (1576). Dort amtieren Bürgermeister, innerer und äußerer Rat, wie es die Wahlordnung von 1510 vorschreibt.

Obwohl 1587 der Salzhandel verstaatlicht wird, bleibt das weiße Gold der maßgebliche Wirtschaftsfaktor. 1613 tritt in Reichenhall ein neues, reichhaltiges Salzflüssl zutage, das wegen Holzmangels vor Ort nicht verdampft werden kann. Herzog Maximilian ordnet den Bau einer Soleleitung nach Traunstein an und lässt in der benachbarten Au eine Saline errichten. Der Staatsbetrieb arbeitet von 1619 bis 1912. Während dieser Zeit ist die Hofmark und spätere Gemeinde Au ein eigenes Rechtsgebiet. Doch der Stadt wird ab 1622 auch für die dortige Produktion der sogenannte Scheibenpfennig gewährt, den sie bis dahin nur vom zwischengelagerten Reichenhaller Salz vereinnahmen darf. Bis 1800 deckt diese Steuer etwa ein Viertel des jährlichen Budgets ab.

Von den Gräueltaten des 30jährigen Krieges bleiben die Bewohner weitgehend verschont, nicht aber von der Pest, die 1635/36 wütet. 1704 wird Traunstein während des Spanischen Erbfolgekrieges von ungarischen Panduren angezündet. Die Schäden sind erheblich – unter anderem wird die gerade mit großem Aufwand neu erbaute Oswaldkirche schwer beschädigt. Ungleich verheerender wirkt sich 1851 ein zweiter Brand aus, der die Stadt nahezu vollständig in Schutt und Asche legt. Nur dank vielfältiger Hilfen und des enormen Fleißes ihrer Bürger gelingt innerhalb weniger Jahre der Neuaufbau, den 1854 eine Choleraepidemie zusätzlich erschwert.

Die Anstrengungen werden belohnt: 1860 erfolgt der Anschluss an das Eisenbahnnetz auf der Linie München-Salzburg, und der neue Bahnhof geht der Ausdehnung der Stadt nach Westen voran. 1905 hat sich innerhalb von 100 Jahren die Einwohnerzahl mehr als verdreifacht, von 2.200 auf 7.400. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt eine aktive Ansiedlungspolitik der Stadtväter, die unter dem Motto Traunstein, mein Ruheposten deutschlandweit um Neubürger werben. 1899 überflutet ein Jahrhunderthochwasser die tiefer gelegenen Stadtteile und hinterlässt schwere Schäden in der Au, der Wiese, am Vorberg und in Heilig-Geist. Im selben Jahr wird die evangelische Auferstehungskirche fertiggestellt. 1919 ersetzt ein Stadtrat das bisherige Zweikammersystem. Eine seiner ersten Verfügungen ist die Herausgabe von Notgeld, das als Zahlungsmittel bis 1923 Gültigkeit besitzt.

Schwere Bombenangriffe zerstören im April 1945 das Bahnhofsviertel, über 100 Menschen finden den Tod. Wenig später, am 2. Mai 1945, durchquert ein Zug jüdischer KZ-Häftlinge Traunstein. 61 von ihnen werden tags darauf bei Surberg erschossen (eine Gedenkstätte erinnert an sie). Nur wenige Kilometer entfernt wird Traunstein den amerikanische Truppen kampflos übergeben. Die Kommunalwahlen im Januar 1946 weisen den Weg zur Demokratisierung. Vertriebene und Flüchtlinge müssen versorgt und integriert werden. Die Stadt vergrößert sich durch neue Wohn- und Gewerbegebiete. 1948 wird ein evangelisches Dekanat gegründet, 1960 die Kuratie Heilig Kreuz zur zweiten katholischen Pfarrei Traunsteins erhoben.

Im Rahmen der Kommunalreform wird die (von 1876 bis 1935 und erneut ab 1948 kreisfreie) Stadt Traunstein 1972 in den Landkreis eingegliedert, die Nachbarorte Kammer und Hochberg werden eingemeindet, Haslach und Wolkersdorf folgen 1978. Etwa 18.000 Menschen leben heute in der Großen Kreisstadt, die dabei 14.000 Arbeitsplätze, vornehmlich in den Bereichen mittelständisches Handwerk und Gewerbe, Schule und Verwaltung sowie moderne Dienstleistungen, anbietet - als historisch gewachsenes Zentrum des Chiemgaus.

 

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Letzte Änderung:16.11.07