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Kunst- und Kulturzentrum Klosterkirche

Sanierung und Modernisierung bis Ende 2018

Die Stadt stärkt mit der Sanierung und dem Ausbau des Ensembles Klosterkirche einen beliebten Veranstaltungsort im Herzen Traunsteins. Die Bauarbeiten haben im Frühjahr 2017 begonnen, die Fertigstellung ist für Ende 2018 geplant.

Luftbild der Klosterkirche und des Südflügels des ehemaligen Kapuzinerklosters (© Siegfried Kerscher 2016)

Wechselvolle Geschichte des Gebäudeensembles

Die Klosterkirche mit dem ehemaligen Klostergebäude prägt das Stadtbild Traunsteins seit dem 17. Jahrhundert und weist eine wechselvolle Geschichte auf.

1690 weiht der Salzburger Fürstbischof Ernst Graf von Thun das Kloster mit der betont schlicht gehaltenen Klosterkirche nach dreijähriger Bauzeit ein. Als im Zuge der Säkularisation das Kloster des Kapuzinerbettelordens 1806 geschlossen wird, versteigert man das Inventar der Kirche und nutzt sie als Getreidespeicher.

Mitte des 19. Jahrhunderts erwirbt die Stadt Traunstein die Kirche mit dem verbliebenen Klostergebäude von der oberbayerischen Regierung und baut die Räumlichkeiten zur Mädchenschule mit Schulküche um. 1857 übernehmen die Englischen Fräulein das Kloster. Noch im selben Jahr wird die Klosterkirche erneut geweiht. 1866 erhält sie einen Glockenturm.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus überlässt die Stadt Traunstein der Pfarrkirchenstiftung St. Oswald das Gotteshaus als Schulkirche. 1978 wird das nun denkmalgeschützte Gebäude endgültig entweiht. Wenige Jahre später erwirbt schließlich die Große Kreisstadt den Gebäudekomplex an der Ludwigstraße zurück.

Nach einer Renovierung zieht die Städtische Galerie Anfang der 1990er-Jahre in die Obergeschosse des Südflügels des ehemaligen Klostergebäudes ein. Seit 1993 veranstaltet außerdem die Kulturfördervereinigung „ARTS“ im früheren Gotteshaus Ausstellungen und Konzerte.


Gutachten zeigen Sanierungsbedarf des denkmalgeschützten Ensembles auf

Das Klosterkirchenensemble in der Ludwigstraße steht unter Denkmalschutz: Seine Erhaltung ist wegen seiner geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit. Die Stadt ist verpflichtet, die Gebäude zumindest instand zu halten.

Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren der Gebäudezustand der Klosterkirche untersucht. Alle Gutachten kommen dabei zu demselben Ergebnis: Eine Sanierung ist unumgänglich. Entsprechend entfällt ein Großteil der Arbeiten, die bis Ende 2018 durchgeführt werden, auf die Sanierung.

Im Jahr 2010 beauftragte die Stadt Traunstein ein Ingenieurbüro mit einer detaillierten Bauwerksprüfung. Im Rahmen der Untersuchung stellten die Gutachter im Mauerwerk und insbesondere im Tonnengewölbe der Klosterkirche Risse fest. Laut Gutachten ist aufgrund der vorgefundenen Schäden eine Sanierung im Innenbereich der Klosterkirche unvermeidlich.

Zudem ließ die Stadt Traunstein im Jahr 2011 in Rücksprache mit Mitarbeitern des Landesamts für Denkmalpflege und der Städtebauförderung der Regierung von Oberbayern weitere Gutachten anfertigen. Für das Dach und die Decke der Klosterkirche wurde eine Schadensanalyse, für den noch existierenden Südflügel des ehemaligen Klosters wurde eine denkmalpflegerische Bestandsaufnahme durchgeführt. Diese Untersuchungen ergaben unter anderem, dass die Dachkonstruktion der Klosterkirche auch nach heutigen Gesichtspunkten ausreichend standsicher ist, sie aber, ebenso wie das Dach des Südflügels, erhebliche Mängel durch Verwitterung und Substanzverluste aufweist – kein Wunder bei einem Alter von über 300 Jahren. Feuchtigkeit und holzschädigende Pilze haben dazu geführt, dass die Dächer erneuerungsbedürftig sind.


Sanierung und Modernisierung für ein Mehr an Barrierefreiheit

Von Bedeutung bei der Sanierung und Modernisierung des Klosterkirchenensembles ist vor allem auch die Schaffung von Barrierefreiheit: Das Kunst- und Kulturzentrum an der Ludwigstraße soll künftig für alle Bürgerinnen und Bürger ohne Einschränkungen zugänglich sein.

Jede Barriere ist eine zu viel – und dennoch gab es bisher, etwa für Menschen mit einer Behinderung oder körperlichen Einschränkungen, für Ältere oder für Familien mit Kindern, beim Besuch von Kunst- und Kulturveranstaltungen im Klosterkirchenensemble jede Menge Hindernisse und Hürden. So gab es im gesamten Gebäudekomplex keine Aufzugsanlage, alle Räumlichkeiten waren nur über Treppen erreichbar. Selbst der Notausgang der Klosterkirche führte die Gäste nur über Stufen ins Freie.

Blick von der Ludwigstraße auf das Kunst- und Kulturzentrum Klosterkirche (© Färbinger Rossmy Architekten)

Veranstaltungsort mit erheblichen funktionalen Defiziten

Um einen multifunktionalen Veranstaltungsort zu schaffen, finden zusätzlich zur Sanierung Modernisierungs- und Erweiterungsarbeiten statt. Das neue Kunst- und Kulturzentrum Klosterkirche soll künftig nicht nur barrierefrei sein, sondern auch ganzjährig für Ausstellungen, Konzertveranstaltungen, Theatervorstellungen und vieles mehr genutzt werden können.

Der besondere Reiz der Klosterkirche als Kunstraum ergibt sich durch das ungewöhnliche Raumambiente im bis zu sieben Meter hohen Kirchenschiff mit Apsis. Damit sie auch in den Wintermonaten für Kunst- und Kulturveranstaltungen nutzbar wird, bekommt die Klosterkirche eine Heizung. Dabei ist angedacht, die Klosterkirche ebenso wie den Südflügel des ehemaligen Klosters – wie bereits bei der benachbarten Ludwig-Thoma-Grundschule geschehen – an das Nahwärmenetz des neuen Hackschnitzelheizkraftwerks an der Brunnwiese anzuschließen und damit verstärkt auf die Nutzung regenerativer Energien zu setzen.

Zu den wesentlichen funktionalen Defiziten zählen auch die Toiletten. Für den gesamten Gebäudekomplex gab es lediglich eine Toilettenanlage, die nicht barrierefrei ist. Sie befand sich im ersten Obergeschoss des Südflügels und war – da ein Aufzug fehlt – nur über Treppen erreichbar.

Von Bedeutung ist eine Aufzugsanlage aber auch für die Auf-, Um- und Abbauarbeiten, die aufgrund der wechselnden Veranstaltungen unterschiedlichster Art nötig sind. Das veranschaulicht das Beispiel Bestuhlung: Bisher befanden sich die Stühle in einem Kellerraum unter der Kirchenapsis, der nur über eine Treppe erreichbar ist. Ohne Aufzug war der Auf- und Abbau beschwerlich, insbesondere wenn die Stühle an anderen Orten im Gebäudekomplex, beispielsweise in der Städtischen Galerie im ersten Obergeschoss, gebraucht wurden.

Des Weiteren fehlte bisher Platz für einen Empfangsbereich, für Besucher- und Künstlergarderoben und die Museumspädagogik. Außerdem waren nicht ausreichend Lager- und Technikräume vorhanden.


Erweiterung und Sanierung – das wird gemacht

Im Frühjahr 2017 haben die Bauarbeiten für das Kunst- und Kulturzentrum Klosterkirche an der Ludwigstraße begonnen. Bis Ende 2018 sind folgende Sanierungen und Modernisierungen sowie Erweiterungen geplant:

An den Südflügel des ehemaligen Kapuzinerklosters wird an die nördliche Wand zum Innenhof hin ein eingeschossiges Foyer angebaut. Es schafft nicht nur eine Verbindung von Klosterkirche und Südflügel, sondern ist vor allem „Meet Up“-Bereich vor Veranstaltungen sowie ein eigenständiger kleiner Event- und Ausstellungsbereich.

Zudem wird ein Untergeschoß geschaffen, das zum Teil unter dem Pausenhof der Ludwig-Thoma-Grundschule liegt. Hier werden unter anderem Garderoben und Toiletten als auch Lager- und Technikräume geschaffen. Außerdem wird hier das städtische Bilderdepot untergebracht. Mit dem Untergeschoss wird eine unterirdische Verbindung zwischen der Apsis der Klosterkirche und dem Südflügel hergestellt.

Klosterkirche und Südflügel des ehemaligen Klosters mit Foyeranbau und in den Pausenhof integriertem Fluchttreppenhaus (© Färbinger Rossmy Architekten)

Vom neuen Foyer aus erschließt sich der Südflügel: Hier entsteht eine offene Innentreppe mit kombiniertem Personen- und Lastenaufzug, welche die Räume der Städtischen Galerie im 1. und 2. Obergeschoss sowie das Untergeschoss mit den Garderoben und Toiletten sowie den Lager- und Technikflächen barrierefrei zugänglich macht.

Gegenüber der Treppe befindet sich die Museumspädagogik, ein multifunktionaler Raum, der auch für Besprechungen und Tagungen geeignet ist. Außerdem entsteht eine Ausgabetheke für Getränke und Snacks.

Die oberen beiden Geschosse des Südflügels, die Ausstellungsfläche der Städtischen Galerie sind, werden saniert und restauriert und behalten so ihren ursprünglichen Charme. Außerdem wird die Außenfassade des Südflügels erneuert.

Notwendig ist zudem der Bau einer zusätzlichen Fluchttreppe mit Versorgungsschacht und direktem Zugang nach außen. Sie wird im westlichen Bereich des Südflügels angebaut. Der Treppenturm löst sich – ebenso wie das Foyer – durch seine moderne Architektur vom Klosterkirchenensemble ab.

Bei der Klosterkirche werden die Behelfsanbauten an der westlichen Kirchenaußenwand entfernt. Die Außenfassade wird saniert, die Gewölbe- und Wandmalereien innen werden konserviert und restauriert. Da die Klosterkirche ganzjährig nutzbar sein soll, wird im Rahmen der Arbeiten die Wärmedämmung verbessert und eine Heizung eingebaut.

Überblick über die baulichen Veränderungen im Bereich des Ensembles Klosterkirche (© Färbinger Rossmy Architekten)

Attraktivitätssteigerung für die Ludwigstraße – Neugestaltung des Pausenhofes der Ludwig-Thoma-Schule

Mit der Sanierung und Modernisierung des Gebäudeensembles Klosterkirche ist eine Aufwertung für die gesamte Ludwigstraße verbunden.

Das Klosterkirchenensemble weist mit seiner kurzen Entfernung zum Stadtplatz und zum Bahnhof sowie zu den Großparkplätzen am Karl-Theodor-Platz und in der Tiefgarage des Rathauses, von denen aus man einfach und bequem per Aufzug ins Stadtzentrum gelangt, eine günstige Lage auf. Fußläufig bestehen zudem direkte Verbindungen über Passagen von der Bahnhofstraße und dem Stadtpark.

Dennoch besteht in der Straße Verbesserungsbedarf, in den Geschäftsgebäuden sind immer wieder Leerstände zu verzeichnen. Von der Sanierung und Modernisierung des Kunst- und Kulturzentrums Klosterkirche erhofft sich die Stadt Traunstein neue Impulse für diesen Bereich der Innenstadt. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufwertung der Ludwigstraße: Der Vorplatz des Ensembles Klosterkirche wird deshalb im Zuge der Baumaßnahme attraktiver gestaltet.

Besonderer Wert wird außerdem auf die Einbeziehung des Schulhofes der Ludwig-Thoma-Grundschule in die Planungen für das Kunst- und Kulturzentrum gelegt. Eine angemessene Größe und kindgerechte Gestaltung des Pausenhofes sind dabei wichtig.

Blick über den Pausenhof der Ludwig-Thoma-Grundschule auf den geplanten Foyeranbau des Ensembles Klosterkirche (© Färbinger Rossmy Architekten)

Kostenansatz und Fördermöglichkeiten

Die Gesamtkosten für die Sanierung und Erweiterung des Klosterkirchenensembles werden derzeit auf rund 8,4 Millionen Euro beziffert.

Zur Sicherung der Finanzierung dieser umfangreichen Baumaßnahme wurden mehrere Zuwendungsanträge gestellt. Da das Areal der Klosterkirche und die Ludwigstraße im Zentrum des städtebaulichen Sanierungsgebietes liegen, wurde ein Antrag auf Zuwendungen aus Städtebauförderungsmitteln gestellt. Dieser wurde bereits bewilligt: Rund 4,28 Millionen Euro erhält die Stadt von der Regierung von Oberbayern. Zusätzlich unterstützt der Bezirk Oberbayern die Sanierung und Modernisierung des Klosterkirchenensembles mit 15.000 Euro. Ein weiterer Förderantrag liegt derzeit der Bayerischen Landesstiftung vor, es wurde eine Förderung im sechsstelligen Euro-Bereich in Aussicht gestellt.

Außerdem hat die Kulturfördervereinigung ARTS Traunstein e. V. Spenden in erheblicher Höhe für den Umbau und die Modernisierung des denkmalgeschützten Klosterkirchenensembles gesammelt. Mittlerweile sind hierbei mehr als 267.000 Euro zusammengekommen.

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