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Besuch im Jacklturm und in der Klosterkirche

„Tag des offenen Denkmals“ am 12. September in Traunstein

Der deutschlandweite „Tag des offenen Denkmals“ findet am Sonntag, 12. September, statt. Er steht heuer unter dem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgegebenen Motto „Sein und Schein in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“. Dazu haben Stadt und Landkreis Traunstein in Zusammenarbeit den Jacklturm am Traunsteiner Stadtplatz und die Klosterkirche an der Ludwigstraße zur Präsentation vorgesehen.

Das Motiv „Sein und Schein“ betrifft Denkmäler, die äußerlich etwas anderes zu sein scheinen, als sie eigentlich sind. Der Ansicht nach erscheint der Jacklturm als älteres, mit der historischen Stadtplatzbebauung entstandenes Gebäude, ist aber ein 20 Jahre alter Neubau. Die Klosterkirche erweckt den Anschein einer traditionellen Kirche, ist aber heute ein Veranstaltungssaal des Kulturforums Traunstein.

Ein kurzer Einblick in die Geschichte des Jacklturms: Der untere Turm der Traunsteiner Stadtmauer mit seinem Salzburger Tor wurde schon 1486 in einer Rechnung der Stadtkammer erwähnt. 1548 wurde er abgebrochen und neu aufgebaut. Bereits damals befand sich außen am Turm eine Uhr. 1787 erschien erstmals der noch heute im Volksmund geläufige Name „Jacklturm“ in den städtischen Unterlagen. Bei den Stadtbränden von 1704 und 1851 wurde er jeweils schwer in Mitleidenschaft gezogen. Während man ihn 1704 wieder instand setzte, entschloss man sich 1851, die Brandruine abzubrechen. Finanzielle und verkehrstechnische Gründe gaben hierfür den Ausschlag. In der Bevölkerung war diese Entscheidung stark umstritten. Unter der Federführung des Fördervereins „Alt-Traunstein“ mit dem unermüdlichen Max Burghartswieser an der Spitze erhob sich der Jackl­turm 1998/99 nach historischem Vorbild aus der Versenkung. Viel Zeit und Geduld musste investiert werden, bis er als Abschluss der Neugestaltung des Stadtplatzes am 20. Mai 2000 festlich eingeweiht werden konnte. Nach 150 Jahren war die letzte Wunde des Brandes von 1851 geschlossen. Heute ist der Jacklturm aus der Stadt Traunstein nicht mehr wegzudenken.

Die Klosterkirche geht auf die Entsendung von Mönchen des Kapuzinerordens nach Traunstein durch Kurfürst Maximilian I. im Jahr 1627 zurück. Sie sollten den hier offensichtlich vorhandenen religiösen Missständen abhelfen und das Volk wieder dem „rechten Glauben“ zuführen. 1687 begannen westlich vor den Toren der Stadt die Bauarbeiten für ein Kloster. Am 25. August 1690 wurde dessen Kirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht. Vor allem bei den einfachen Leuten waren die Bettelmönche überaus beliebt. Als sie im Rahmen der Säkularisation am 2. Mai 1806 die Stadt endgültig verlassen mussten, begleiteten Trauer und Enttäuschung diese Entscheidung. Das Kloster wurde teilweise abgebrochen, die Kirche exsekriert und als Getreidespeicher genutzt. 1857 wurde sie als Schulkirche der Englischen Fräulein reaktiviert. 1978, nach dem Abzug der letzten klösterlichen Leitung des städtischen Kindergartens, wurde das Gotteshaus endgültig geschlossen. 1986 erwarb es die Stadt für einen symbolischen Kaufpreis. Schon seit 1980 beherbergte das verbliebene Vordergebäude des Klosters, der ehemalige „Portenstock“, die Städtische Galerie. 1992 nahm sich der Kulturförderverein „ARTS“ der ungenutzten Kirche an. Ausstellungen, Konzerte und sonstige Veranstaltungen wurden fortan hier angeboten und mit beachtlicher Resonanz belohnt. Von 2017 bis 2020 wurde das Denkmal „Kulturforum Klosterkirche“ saniert und umfassend modernisiert.

Am „Tag des offenen Denkmals 2021“ sind die beiden Gebäude von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Im Jacklturm stehen Mitglieder des Fördervereis Alt-Traunstein mit dem Vorsitzenden Richard Kraft während der gesamten Öffnungszeit mit Führungen und Erläuterungen zur Verfügung. In der Klosterkirche bieten zusätzlich zur Öffnungszeit die Leiterin der Städtischen Galerie, Judith Bader, und Stadtheimatpflegerin Dr. Lydia Großpietsch um 11 Uhr eine Führung durch das Kulturforum Klosterkirche an. Auch Kulturreferentin Ursula Lay steht von 10 bis 14 Uhr in der Klosterkirche für Fragen und Auskünfte zur Verfügung. Weitere Informationen auch bei Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika, Telefon 0861/58559.  Es gelten die aktuellen Corona-Schutz-Bestimmungen.

Veröffentlicht am 03.09.2021
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