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Gründungsfahne der Traunsteiner Veteranen wird restauriert

Mitarbeiter der Stadtverwaltung informierten sich über Fortgang der Arbeiten

Als sich die Traunsteiner Krieger- und Soldatenkameradschaft zum 31. Dezember 2002 endgültig auflöste, erhielten die Stadt respektive die Stiftung Heimathaus Traunstein satzungsgemäß deren Nachlass, darunter auch die Chronik des Vereins ab dem Entstehungsjahr 1836 sowie die Gründungsfahne, die 1837 angefertigt und geweiht wurde. Diese Fahne war leider in einem bedauernswert schlechten Zustand. Nur die Weitsicht und das Engagement des St.-Georg-Vereins, in dessen Fundus sie über lange Zeit verwahrt wurde, hatte sie vor dem endgültigen Verfall bewahrt. Unstrittig jedoch ist ihre herausragende historische Bedeutung – auch überregional. Im weiten Umkreis findet man kein vergleichbares Objekt, und auch das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt, eines der größten militärhistorischen Museen Europas, hätte sie gerne in seine Sammlung aufgenommen. Eine Restaurierung war daher dringend geboten.

Hier kam der Stadt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege entscheidend zu Hilfe. In mehreren Gesprächen suchte und fand man eine Lösung. Die Fahne wurde zu einem „beweglichen Denkmal“ erklärt und fand damit Aufnahme in der Denkmalliste. Damit war die Voraussetzung für die Bereitstellung erheblicher Fördermittel geschaffen. Das wiederum überzeugte den Stadtrat, der seinerseits die erforderlichen Finanzmittel seitens der Stadt genehmigte. Die Fahne soll restauriert und anschließend in Traunstein einer breiten Öffentlichkeit gezeigt werden, verbunden mit einer Dokumentation ihrer Geschichte und der des Vereins „der beabschiedeten Soldaten der königlich-bayerischen Stadt Traunstein, der Gemeinde Au nebst Umgegend“, wie sich die Veteranen bei ihrer Gründung nannten. Dies soll zunächst für einige Jahre im Eingangsbereich des Rathauses geschehen, bevor das Objekt dann im neu konzipierten Stadtmuseum „Heimathaus“ seinen endgültigen Platz finden wird.

Im Juni 2017 wurden die entsprechenden Beschlüsse gefasst. In den Werkstätten des Landesamts für Denkmalpflege begutachtete man zunächst das Objekt und erstellte ein Konzept für dessen Konservierung. Dafür war es erforderlich, die einzelnen Materialien, also Fahnenbild und Fahnentuch, voneinander zu trennen, um  anschließend Schritt für Schritt die sehr aufwändigen Arbeiten am Gemälde und an den einzelnen textilen Elementen ausführen zu können. Dabei muss stets beachtet werden, dass nur ausgewiesene Fachleute in der Lage sind, eine solch komplexe Maßnahme fachgerecht zu bewältigen.

Inzwischen sind die Arbeiten bereits weit fortgeschritten. Der Zeitplan wurde eingehalten – er ist weit gesteckt, denn immer wieder müssen „konservatorische Ruhephasen“ eingelegt, muss Material geglättet und getrocknet werden. Vom erfolgreichen Fortgang konnten sich in München vor wenigen Tagen Stadtplaner Elmar Schwäbisch und Stadtarchivar Franz Haselbeck, die seitens der Stadt mit der verwaltungstechnischen Begleitung dieses Auftrags betraut wurden, überzeugen. Ihnen wurde ein überzeugendes Zwischenergebnis präsentiert. Die Reinigung, Fixierung und Konservierung des Fahnenbildes ist weitgehend abgeschlossen.

Es stammt von dem Traunsteiner Maler Georg Sollinger († 1847), der dafür mit 22 Gulden entlohnt wurde, und zeigt die Einweihung des von den Veteranen beauftragten Obelisken im heutigen Stadtpark am 15. Oktober 1837, demselben Tag, an dem auch die Fahne geweiht wurde. Die Darstellung ist idealisiert, denn der im Zentrum stehende Generalfeldmarschall Carl Philipp Fürst von Wrede (1767–1838) wohnte den Feierlichkeiten sicher nicht bei.

Getrennt von diesem Gemälde werden die weiteren textilen Elemente behandelt. Hier wurde das weitere Vorgehen besprochen, wobei auch schon die künftige Art der Präsentation einbezogen wurde. Vorgesehen ist eine annähernd senkrechte Aufstellung in einer schützenden Glasvitrine, unterstützt von einer formatgleichen, farblich dem Textil angepassten Platte, wobei ein Ausschnitt auch die Betrachtung der rückseitigen Aufschrift erlaubt. Im Treppenhaus des Rathaus-Altbaus wird aktuell das Klima über einen längeren Zeitraum gemessen und aufgezeichnet. Sollte die Auswertung der elektronisch gespeicherten Daten die Einschätzung des Experten bestätigen, dann steht ab Anfang 2020 einer kleinen, aber feinen Ausstellung dieses historisch bedeutsamen Kunstwerks dort nichts mehr im Weg.

Text: Franz Haselbeck, Stadtarchiv Traunstein

 

Die Gründungsfahne der Traunsteiner Krieger- und Soldatenkameradschaft (aus dem Jahr 1837) in ihrem schlechten Zustand vor Beginn der Restaurierungsmaßnahmen. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)
1842 ließen die Traunsteiner Veteranen von dem Traunsteiner Maler Franz Xaver Bayer (Pair) eine kolorierte Zeichnung des Fahnenbildes anfertigen. 2016 tauchte dieses bislang verschollen geglaubte Blatt wieder auf. Die naiv angehauchte Darstellung gibt das Original nicht exakt wider, ist aber - zusammen mit den historischen Details, die sich aus der genauen Auswertung der Vereinschronik ergaben - für die Restaurierung eine große Hilfe. (Foto: Helmut Abele)
Bei der Begutachtung des Zwischenergebnisses: Elmar Schwäbisch, Franz Haselbeck und Paul Huber, der für Traunstein zuständige Referent für den Denkmalschutz (von links) mit den fachkundigen Restauratorinnen des Landesamts. (Foto: Landesamt für Denkmalpflege)
Veröffentlicht am 05.12.2018
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