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Schatzkästlein der Heilkraft im Herzen Traunsteins

Der Apothekergarten im Salinenpark ist mit 170 Arzneipflanzen ein neuer Anziehungspunkt für Besucher und Führungen

Neben seiner Historie als Salzstadt hat Traunstein auch eine lange Geschichte als Kur- und Gesundheitsstadt.  Erinnert sei nur an das Wildbad Empfing, die ehemalige Kuranstalt mit Solebad am Klosterberg und die frühere Wandelhalle anstelle der heutigen Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule sowie die Kneipp-Anlagen.

Wie sich die beiden Themen Salz und Gesundheit harmonisch ergänzen, kann man seit letztem Jahr im neuen Salinenpark in der Au studieren. Den technischen Aspekten und der Geschichte der Salzgewinnung steht dort der begehbare Apothekergarten gegenüber. Er veranschaulicht die Heilkraft der Natur, in dem er wie ein lebendiges Schatzkästlein rund 170 Heilkräuter und Arzneipflanzen aus Europa und aller Welt versammelt. Er steht ganz in der Tradition früherer Klostergärten. Diese haben den Grundstein für die Kultivierung heilkräftiger Pflanzen in den ersten Apothekergärten vor etwa 500 Jahren gelegt.

„Uns war es wichtig, das große Wissen um die vielfältigen Heilwirkungen der Natur für Schulklassen, Kindergärten, Studierende aus den medizinischen, pharmazeutischen und pflegerischen Heilberufen sowie alle naturheilkundlich interessierten Menschen anschaulich erfahrbar zu machen“, erklärt Josef-Karl Graspeuntner. Der klassische Homöopath aus Traunstein gehört zusammen mit seiner Kollegin Christa Einsiedler und dem Kinderarzt Stefan Köhler aus dem Kompetenzzentrum Homöopathie sowie den Apothekern Inge und Benedikt Schmid und Lorenz Fakler zu den Initiatoren des Projekts.

„Das besondere an diesem Garten ist, dass die Pflanzen hier nicht nach ihrem Wirkungsspektrum, sondern nach ihrem natürlichen Lebensbereich und der Bodenbeschaffenheit zusammengestellt wurden“, sagt Helmut Mühlbacher. Der Landschaftsarchitekt aus Traunstein war maßgeblich an Auswahl und Arrangement der Pflanzen sowie der Einrichtung der Beete beteiligt. Diese gliedern sich in acht Bereiche: Heidegarten, Auenlandschaft, Steppenheide und Felssteppe, Wiese, Gehölz, Ackerbau, Ruderalvegetation sowie Gemüse und Kräuter. Tatkräftige Hilfe bei der praktischen Umsetzung gab es vom Förderverein Alt-Traunstein und der Traunsteiner Stadtgärtnerei (Anzucht und Kultivierung). Bei der Organisation seltener Pflanzen und Samen brachten sich der Botanische Garten in München und die Staudengärtnerei Ehrhardt aus Franken mit ein.

Nach der Anlage vor einem Jahr ist aus dem Garten inzwischen ein blühendes Paradies voller Düfte, faszinierender Formen, Farben und summender Insekten geworden. Sogar Wildbienen findet man hier. Kunst und Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Zwischen März und Ende Oktober gibt es damit immer wieder etwas zu entdecken. Ein kleiner Tümpel, Totholz-Ecken und ein Insektenhotel machen das anmutige Biotop perfekt.

Neben vielen bekannten Klassikern wie Sonnenhut, Arnika, Ringelblume, Johanniskraut, Weißdorn, Kamille, Baldrian, gelbem Enzian und Holunder finden sich auch kanadischer Blutwurz, Süßholz, Indisches Basilikum und Flohsamen, Sibirischer Rhabarber, Syrisches Gliederkraut und Mönchspfeffer. Faszinierende Blütenformen bildet aktuell die Artischocke aus. Neben vielen Duftpflanzen sind auch giftige Verwandte wie Bilsenkraut, Eisenhut oder Rizinus in den Beeten zu finden. Sie sind entsprechend gekennzeichnet. „Deshalb ist es wichtig, keine Pflanzenteile zu berühren oder abzupflücken“, erläutert Apotheker Lorenz Fakler. Im Rahmen einer Führung über Giftpflanzen hat er bereits eine „sehr interessierte Gruppe“ über Aussehen, wirksame Pflanzenteile, Dosierungen und medizinische Zusammenhänge aufgeklärt.

„Die Vermittlung des tradierten Pflanzenwissens im Rahmen von Führungen ist uns wichtig, weil damit jeder mit einfachen Mitteln viel für seine Gesundheit tun kann“, erläutert Graspeuntner. Zudem seien im Rahmen neuer Qualitätsstandards im Arzneimittelrecht bereits zahlreiche jahrzehntelang bewährte Pflanzenarzneien vom Markt verschwunden. Umgekehrt sei das Interesse an den Heilwirkungen von Pflanzen „signifikant gestiegen“, wie der Zuspruch bei Führungen belegt.

Von positiven Effekten und der Anziehungskraft des neuen Apothekergartens weiß German Heck zu berichten. Jede Woche ist er als Gärtner mit seinen Mitarbeitern für die Beetpflege im Einsatz. „Durch Kartoffeln, Bohnen, Rosen oder die Küchenkräuter haben sich viele schnell mit dem Garten identifizieren können“, erzählt er. Aktuell arbeitet er am Aufbau der Plattform „Lebendiger Apothekergarten Traunstein“. Mit ihrer Hilfe sollen ehrenamtliche Mitarbeit, Workshops, Jahreskreisfeste und der Erfahrungsaustausch organisiert werden. Denn aktuell muss die Gartenarbeit noch von Sponsoren aus dem Kreis der Initiatoren und weiterer Apotheker mit jährlich 6.000 Euro bezuschusst werden. Infos zur Plattform per Email: germanheck@t-online.de.

(Bericht und Fotos: Axel Effner)

 

 

 

Veröffentlicht am 21.07.2020
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