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„Und immer dem Bache nach…“

Die Traunsteiner Sommerkonzerte mit Werken von Bach bis Veress - vielseitig, spannend und zeitlos schön

Nicht mehr lange und Traunstein wird erneut Anziehungspunkt für Liebhaber der Kammermusik aus nah und fern sein. Vom 1. bis 7. September finden im Kulturforum Klosterkirche die 42. Traunsteiner Sommerkonzerte statt: Sieben Konzerte erstklassiger Künstler mit Werken vom Barock bis in die heutige Zeit. 

Der eine oder andere Freund der Sommerkonzerte mag diese Ankündigung nicht als selbstverständlich ansehen, sondern mit Erleichterung aufnehmen. Denn die renommierte Konzertreihe hat keine leichte Zeit hinter sich: Dass die Durchführung durch die Corona-Pandemie ordentlich ins Wanken geriet, teilt sie mit allen Kulturereignissen ähnlichen Formats in den letzten zwei Jahren. Dass aber die künstlerische Leiterin Imke von Keisenberg so unerwartet verstarb, erschütterte sie in ihren Grundfesten. 

Nun jedoch sind alle Weichen für eine vielversprechende Zukunft der Sommerkonzerte gestellt, die Zeichen stehen auf Aufbruch. Mit Maximilian Hornung konnte die Stadt Traunstein einen neuen Intendanten gewinnen, der in mehrerlei Hinsicht wie geschaffen für diese Aufgabe scheint. Dass er die künstlerischen Voraussetzungen mitbringt, um der Konzertreihe eine erfolgreiche Zukunft zu bescheren, steht außer Frage: Ehemals Solocellist beim BR-Symphonieorchester, spielt Hornung heute als Solist auf den größten Bühnen dieser Welt. Er wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und bekam im Jahr 2017 eine Professur an der Münchner Musikhochschule. Fast ebenso wichtig wie seine künstlerische Befähigung ist die Tatsache, dass er die Konzertreihe gut kennt und ihr eng verbunden ist. Sechs Mal stand er hier bereits selbst auf der Bühne, kennt die Stadt, die Abläufe und die besondere Stimmung wie kein anderer Künstler. Veranstalter bleibt weiterhin die Stadt Traunstein.

Mit viel Elan hat Hornung nun ein Programm auf die Beine gestellt, das zum einen die Eigenschaften aufweist, die die Traunsteiner Sommerkonzerte seit jeher auszeichnen: Erstklassige Interpreten, Förderung von Nachwuchskünstlern, Kombination von gern gehörter klassischer mit nie zuvor gehörter zeitgenössischer Musik. Zum anderen geht er neue Wege und verabschiedet sich von konkreten Themen, durch die seine Vorgängerinnen die Konzerte prägten: Zu Zeiten von Dorothee Ehrensberger wurde jede Konzertreihe einem Komponisten oder einer Komponistin gewidmet, Imke von Keisenberg stellte jedes Jahr ein Land in den Mittelpunkt.

Maximilian Hornung entscheidet sich für eine freiere Handhabung und überschreibt die kommenden Reihen mit den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer. „Wasser“ ist das Motto, das die Besucher heuer erwartet. Freilich nicht im Sinne von Programmmusik – lautmalerische Effekte wie Meeresrauschen, Bachgeplätscher oder das Klatschen von Regentropfen sind Nebensache. Mehr als eine programmatische Überschrift ist „Wasser“ hier in seiner symbolischen Bedeutung zu verstehen, als das Element, das für Neubeginn, Belebung und Reinheit steht und als Quelle des Lebens gilt.

Als ästhetische Idee zieht sich „Wasser“ durch das gesamte Programm – verleiht den drei Werken von Johann Sebastian Bach, dem kreativen „Urquell“ für nachfolgende Musikergenerationen, besonderes Gewicht, betont Chopins Barcarolle und hebt Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“, in dem der Bach eine so grundlegende Rolle spielt, besonders hervor. Assoziationen, die das Programm reichlich hergibt, sollen aber in erster Linie der Vorstellungskraft des Publikums überlassen bleiben.

In seiner symbolischen Bedeutung von Neubeginn, Anfang und Kreativität steht das Thema „Wasser“ auch für den Gestaltungswillen des neuen Intendanten und dessen zuversichtlichen Blick in die Zukunft. Der Blick nach vorne spiegelt sich zudem in der Künstlerauswahl wieder, die in Teilen noch auf Planungen Imke von Keisenbergs zurückgeht: Neben arrivierten Ensembles wie dem Quatuor Ébène prägen bemerkenswerte Nachwuchstalente das Programm, so wie die russische Konzertpianistin Yulianna Avdeeva, die 2010 den Internationalen Chopin-Wettbewerb gewann und seitdem Konzertsäle weltweit bespielt.

 Eine große Entdeckung ist auch der junge Bariton Konstantin Krimmel, in diesen Tagen bei der Schubertiade in Schwarzenberg-Hohenems gefeierter Interpret zahlreicher Schubert-Lieder, nun mit der „Schönen Müllerin“ zu Gast in der Klosterkirche. Ein besonderes Erlebnis in Sachen Klaviertrio verspricht der Konzertabend mit dem Trio Gaspard, dem der in Traunstein so beliebte Pianist Nicholas Rimmer angehört und das mit seiner einzigartigen und frischen Annäherung an die Musik sein Publikum regelmäßig in Begeisterung versetzt.

Auch in den Reihen der Komponisten sind interessante Neuentdeckungen zu verzeichnen: Charlotte Bray (*1982) etwa, in deren beachtlichem Oeuvre die Kammermusik eine wichtige Rolle spielt, oder Michael Berkeley (*1943), dessen Stück „Insects“ für Cembalo erst 2020 Weltpremiere feierte. Anfang und Ende aber gebührt dem „Vater des Streichquartetts“, Joseph Haydn: Mit ihm eröffnet das Quatuor Ébène die diesjährige Konzertreihe, das Goldmund Quartett beschließt sie mit ihm.

Das Programm, das einen weiten Bogen von der Musik Bachs bis ins Hier und Jetzt spannt, verspricht in hohem Maße Abwechslung und sieben lebendige Konzerttage. „Alles fließt“ – Stillstand ist für die Traunsteiner Sommerkonzerte keine Option.

Konzertbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr. Vorverkauf beim Traunsteiner Tagblatt, Marienstraße 12, 83278 Traunstein, sowie bei München-Ticket mit allen angeschlossenen Vorverkaufsstellen (www.muenchenticket.de).

Veröffentlicht am 14.07.2022
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