Viele Schutzsuchende im Landkreis Traunstein

Situation ist angespannt – Runder Sozialer Tisch im Rathaus

Sozialarbeit wird in Traunstein großgeschrieben: Über 40 soziale Einrichtungen, Vereine und Verbände kümmern sich um das Wohlergehen der Bürger, beraten, helfen und unterstützen im Alltag und bei Notlagen. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer lud die Vertreter der Traunsteiner Sozialeinrichtungen erneut zu einem Runden Sozialen Tisch in das Rathaus ein. Schwerpunktthema war diesmal die Situation der Flüchtlinge in der Stadt.

Wie angespannt die Lage im Landkreis und auch in der Stadt Traunstein ist, wurde durch die Berichte von Lothar Wagner, Geschäftsleiter des Landratsamts, und Thomas Wendrich, Leiter des Jobcenters, deutlich.

Lothar Wagner: „Die Welt ist im Februar vergangenen Jahres eine andere geworden.“ Deutschland erlebe einen massiven Zustrom an Flüchtlingen und die anfangs so überwältigende Hilfsbereitschaft gerade den ukrainischen Menschen gegenüber haben nun im Laufe der Monate deutlich abgenommen.

Der Großteil der Schutzsuchenden komme derzeit aber gar nicht aus der Ukraine, sondern beispielsweise aus Afghanistan, Iran, Irak, Syrien oder Schwarzafrika. „Wir erwarten jede Woche einen Bus voller Menschen, die vom Ankerzentrum zu uns geschickt werden“, erläuterte Wagner. „Bleibt dieser Rhythmus so bestehen, haben wir im März keine Kapazitäten mehr.“ Bisher seien im Landkreis Traunstein noch keine Turnhallen belegt, aber das könne sich dann ändern.

Ein weiteres Problem, das dem Landkreis zu schaffen macht, ist die akute Wohnungsnot. Von 1.600 Menschen, die in zentralen und dezentralen Unterkünften untergebracht sind, hätten bereits 1.000 einen Aufenthaltstitel oder ein abgeschlossenes Asylverfahren. Das bedeutet vereinfacht: Sie müssten dort nicht mehr wohnen, sie könnten mit Hilfe des Jobcenters eine eigene Wohnung mieten, finden aber keine. „Wohnungen sind kaum verfügbar“, erklärt Lothar Wagner.

Thomas Wendrich ist als Leiter des Traunsteiner Jobcenters unter anderem für die Auszahlung des Bürgergelds zuständig. Jeder ukrainische Flüchtling hat einen Anspruch auf das Bürgergeld – mit allen Rechten und Pflichten. „Das Bürgergeld ist für alle gleich.“ Er beobachtet häufig ein schwerwiegendes Problem: „Menschen, die kein Wort Deutsch sprechen, treffen auf das sehr komplexe deutsche Sozialsystem.“ Die zahllosen erforderlichen Anträge, Umbuchungen von Geldern und andere Formalitäten überforderten die Menschen, die zum Teil auch nur der kyrillischen Schrift mächtig sind.

„Es fehlt an Deutschkursen“, kritisiert Wendrich. „Gerade bei den ukrainischen Flüchtlingen ist der Wille, etwas zu tun, sehr ausgeprägt. Viele haben auch schon Arbeit.“ Dabei sei die Sprachbarriere aber oft ein großes Hindernis.

Der vorhandene Wille, Deutsch zu lernen, kam auch in der anschließenden Aussprache immer wieder zur Sprache. Zu wenige Kurse, für die die Lehrer zertifiziert sein müssen, treffen auf zu viele Interessierte. Gerade die notwendigen Zertifikate für die Lehrer stoßen den Hilfsorganisationen sauer auf. Es gebe Freiwillige, die Deutsch unterrichten würden, die aber eben keinen offiziellen Abschluss vorweisen können. Zudem fehle es an Lehrmaterialien. Wichtig seien niedrigschwellige Angebote, mit denen den Menschen schnell und unbürokratisch geholfen werden kann.

 

Leider haben wir keinen Alternativtext zu diesem Bild, aber wir arbeiten daran.
Die Traunsteiner Hilfsorganisationen informieren sich über die aktuelle Flüchtlingssituation in Traunstein. Foto: Agnes Giesbrecht / Stadt Traunstein