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Das Archivale des Monats

Lieber Besucher,

hier stellt Ihnen das Stadtarchiv jeden Monat ein anderes historisches Dokument aus seinen reichhaltigen Beständen vor. Viel Spaß beim Stöbern in der Stadtgeschichte.

Archivale April 2018

Schenkungen waren bereits ein Thema dieser Rubrik, und tatsächlich begleiten kleinere Donationen aus Privatbesitz den Archivar durch das Jahr – und bereichern dabei in den meisten Fällen auch seinen Berufsalltag. Vor wenigen Wochen etwa ging ein Konvolut älterer Urlaubspostkarten an das Stadtarchiv, darunter auch diese Fotopostkarte mit Büttenrand aus den 1960er Jahren. Sie zeigt eine Ortsansicht von St. Martin bei Lofer und vier Motive der unweit dieser Gemeinde in einem Hochtal gelegenen Wallfahrtskirche Maria Kirchental. Eine schöne Postkarte, das ja, aber eigentlich kein Stück, das den Rang eines Traunsteiner Archivales des Monats einnehmen sollte – gäbe es da nicht eine Verbindung zwischen Traunstein und dem nach Maria Plain bedeutendsten Salzburger Wallfahrtsort.

Diese Verbindung besteht in der ebenfalls abgebildeten Votivtafel, die sich in der Kirche mit dem Patrozinium „Unserer Lieben Frau Geburt“ inmitten der Loferer Steinberge befindet, eines von rund 1200 Einzelstücken aus dem Zeitraum vom Ende des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie zeigt die Schattenzeile (Südseite) des Stadtplatzes und die Oswaldkirche im Jahr 1742, eine der ältesten überlieferten Traunstein-Ansichten überhaupt. Warum sie vor über 350 Jahren entstand, darüber gibt der Text unterhalb des Bildes Auskunft:

„Zu unser Lieben Frau in das Kierchenthall hat sich Franz Zimmerman, Bürger und Riemer zu Traunstain, verlobt, wegen zwey Bandtthurn [= Panduren], der Erste auf ihn geschossen und der anderte überzogen hat yber ein halbe Stadt, aber die Bayerische Husarn ankommen und solcher Trageti [= Tragödie], Gott sei ewig Danckh gesagt, ein Endt gemacht.“

Die Panduren waren gefürchtete Angehörige der kaiserlich-österreichischen Truppen, die Bayern im Österreichischen Erbfolgekrieg 1742–1745 besetzten, und Franz Zimmermann war zwei von ihnen mit Müh und Not entkommen. Als Dank gab er dieses Bild in Auftrag und verlobte sich mit ihm nach Kirchental. Warum er nicht die Hauswallfahrt der Traunsteiner nach Maria Eck gewählt hatte, kann nur gemutmaßt werden. Ein Bezug zu seiner Herkunft scheidet mit Sicherheit aus, denn Zimmermanns Vater war 1699 aus Mähren nach Traunstein zugewandert und hier Bürger geworden. Vermutlich lag der Grund in der großen Frömmigkeit des Votanten, der sich für die Errettung aus höchster Todesgefahr mit einer besonders weiten und schweren Wallfahrt bedanken wollte. Die Tatsache, dass Zimmermann trotz seines nur geringen Vermögens seinen 1740 geborenen Sohn Johann Franz Priester werden ließ, unterstreicht diese Annahme. Wie auch immer, wir verdanken Franz Zimmermann ein Bilddokument mit unschätzbarem Wert für die Erforschung der Traunsteiner Stadtgeschichte.

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