Große Kreisstadt Traunstein Große Kreisstadt Traunstein

Das Archivale des Monats

Lieber Besucher,

hier stellt Ihnen das Stadtarchiv jeden Monat ein anderes historisches Dokument aus seinen reichhaltigen Beständen vor. Viel Spaß beim Stöbern in der Stadtgeschichte.

Alle aufklappen

Archivale Januar 2019

Das Jahr 2019 steht, wie schon mehrfach angekündigt, für Traunstein im Zeichen des Salzes. 400 Jahre sind inzwischen vergangen, seit am 5. August 1619, dem Oswaldtag, die von Vater und Sohn Hans und Simon Reiffenstuel in der Au erbaute Saline den Betrieb aufnahm. Erstmals wurde nun auch in Traunstein Salz gesotten, das bisher „nur“ als Ort des straff organisierten Handels mit dem „weißen Gold“ Bedeutung hatte, eine Bedeutung jedoch, die man historisch gesehen kaum hoch genug einordnen kann. Allerdings ist es streng genommen falsch, von einer Salzherstellung „in“ Traunstein zu sprechen; richtig wäre „in unmittelbarer Nachbarschaft von“, denn die südlich des Stadtbergs gelegene Au war bis zu ihrer Eingemeindung 1914 – da war die Saline bereits seit zwei Jahren stillgelegt – von der Stadt in jeder Beziehung unabhängig.

Natürlich wird sich auch das Stadtarchiv diesem bedeutenden Jubiläum nicht verschließen und unter dem Titel „Traunstein ohne Salz?“ in den Räumen der dann neu gestalteten und eröffneten Galerie im „Kulturforum Klosterkirche“ an der Ludwigstraße eine Ausstellung konzipieren, die dem interessierten Besucher den überragenden Stellenwert, den das Salz für die Stadtgeschichte vom Mittelalter bis in die Neuzeit hatte, vor Augen führen soll. Zudem ist eine begleitende Publikation geplant, die dem Leser in Einzelbeiträgen die Geschichte der Saline und das Phänomen Salz aus den verschiedensten Blickwinkeln näher bringen wird. Lassen Sie sich überraschen!

Und aus diesem Anlass soll auch das erste Archivale des Monats im Jahreslauf dem Salz gewidmet sein und quasi als „kleine Vorspeise“ die Neugierde auf dieses vordergründig vielleicht etwas sperrig wirkende Thema wecken. Gezeigt wird eine Fotografie, die das Stadtarchiv erst vor wenigen Wochen von Wolfgang Falkinger, einem ehrenamtlich Mitarbeiter des Stadtmuseum Heimathaus, der sich zugleich um die Aufarbeiten und Neuaufstellung der hochinteressanten Bestände des Museums der Freiwilligen Feuerwehr Traunstein in der Scheibenstraße kümmert, erhalten hat. Schon allein das Jahr dieser Aufnahme nimmt den Betrachter gefangen. 1869 steckte die Fotografie, vor allem auf dem flachen Land, noch in den Kinderschuhen, von einer damals „neumodischen“ Kamera gefertigte „Lichtbilder“ aus dieser Zeit sind eine absolute Rarität. Zu sehen ist die Aufstellung des Salinenpersonals vor dem Karl-Theodor-Sudhaus anlässlich der 250-Jahrfeier, wie das Ereignis mit Bleistift unterhalb der kunstvollen Beschriftung mit schwarzer Tinte nachträglich richtig eingeordnet wurde. Dass der damalige Bearbeiter sich bei dem erklärenden Text auf dem Passepartout um 50 Jahr vertan hat, wird diesen wohl noch eine geraume lang Zeit geärgert und ihm so manch hämischen Kommentar eingebracht haben …

Laut rückseitigem Vermerk auf dem Karton wurde das Foto „dem Heimathaus gestiftet von Josef Pertsch, Oberwerkmeister a. D, Traunstein, im Jahre 1932“. Daneben aufgeklebt sind zwei Papierzettel, auf denen mit Bleistift die abgebildeten Personen, soweit bekannt, vermerkt sind. Wer sie beschrieben hat und wann genau dies geschah, ist nicht angegeben. Nachfolgend wird deren Inhalt im Wortlaut widergegeben – vielleicht findet ja der ein oder andere aus der Salinengemeinde Au stammende Betrachter noch jemanden, den er seiner Verwandtschaft zuordnen kann? Die Personen sind von links beginnend wie folgt benannt:

„9 Mann Stadtmusik? Musikmeister Wagenst., Mayer, Schmid – Röhl, Fackler, Schawo – [folgt unterstrichen] Fackler fragen. 1 Buchfellner Anton, Res. Sudmeister; 2 Enzinger Anton Verschleißarb[eiter]; 3 Wimmer Jos[ef], Sudmeister; 4 Reifenstuel Franz, Brunnwart; 5 Hautum, Sudwart, der Große am Fenster; 6 Strobl, der Kleine, Sieder; 7 Brunner Hans, Sieder und Prokaroder [vielleicht Progoder = Hochzeitslader]; 8 Kracher Caytan, Pfannenmaurer; 9 Rausch Jos[ef], Heizer; 10 Weidenschlager Simon, Sieder und Pfannenmaurer; 11 Gruber Franz, Verschleißarb[eiter]; 12 Hofanger Math[ias], Salinenschlossermeister und Bürgermeister von Au; 13 Schroll Josef, Sieder; 14 Staudacher, Heizer; 15 Storflinger, Salinpflasterer; 16 Heiserer Ferd[inand], Maurer und Heizer; 17 Löffler Eduart, Zufahrer; 18 Hauck Wilh[elm], Sieder; 19 Meier Karl, Sieder; 20 Buchfellner Josef, Sieder; 21 Schroll Muckl, Sieder [und] Aumesner; 22 Uffertinger, Heizer; 23 Grabfischer, Zimmerer; 24 Esterer Jos[ef], Sieder; 25 Zwerger Jos[ef], Bodenkehrer; 26 Eckstein Lex, Sieder; 27 Nitzinger Michl, Sieder; 28 Strobl, Heizer; 29 unbekannt; 30 Wuppinger, Verschleißwäger; 32 Brunner, Werkpolier; 33 Irlacher, Materialabgeber; 34 Schroll Lorenz, Sieder, ertrank 1871; 35 An den Stuffen [?], Salzsteuerkontrolleur; 36 Sponfelder, Salzamt[s]kassier; 37 [kein Name aufgeführt] Salzinspektor-Amtsvorstand; 38 Spegele, Salzamtsdiener; 39 [kein Name aufgeführt] Salzamtsschreiber; 40 [kein Name aufgeführt] Salzamtsverwalter. Die rechts sind nicht mehr zu erkennen.“

Josef Pertsch, dem wir den Erhalt dieses wunderbaren Zeitdokuments verdanken, wurde am 14. Oktober 1859 in München geboren. 1887 heiratete er Philomena Schmid, geboren am 13. August 1860 in Billenhausen (heute ein Stadtteil von Krumbach in Schwaben). Das Paar hatte drei Kinder: Anna, geboren 1887, Josef, geboren 1889, der später als Schlossermeister in Bad Reichenhall wohnte, und Klara, geboren 1891, die 1916 den Traunsteiner Korbwaren-Geschäftsinhaber Josef Schafar heiratet und 1968 hier verstarb. 1926 zog die Familie von Peißenberg – mutmaßlich hatte der „Oberwerkführer a. D.“ im dortigen Kohlebergwerk gearbeitet – nach Traunstein. Josef Pertsch verstarb am 9. August 1934, zwei Jahre, nachdem er die Fotografie dem Heimathaus übergeben hatte. Seine Frau, die ihre letzten beiden Jahre im Bürgerheim in Heilig Geist verbrachte, folgte ihm am 11. Dezember 1940 nach.

Wir wissen nicht, auf welchem Weg Pertsch in den Besitz dieser Fotografie gelangt war, doch obwohl er nur wenige Jahre in Traunstein lebte, hatte er als Bergmann ihre Bedeutung erkannt. Nicht behaupten kann man das von den für das Traunsteiner Wochenblatt Verantwortlichen des Jahres 1869. Obwohl der Verfasser zwei Mal den kompletten Zeitungsjahrgang durchgesehen hat, fand er keinen zeitgenössischen Artikel zum 250-jährigen Salinenjubiläum, keine Ankündigung der Feierlichkeiten, und das in einer Zeit, in der die Produktion von Salz in Traunstein ihr Maximum erreichte. Anscheinend war der industrielle Großbetrieb vor den Toren der Stadt zur Gewohnheit geworden, über den sich eine Berichterstattung nicht mehr lohnte. Wer Näheres über die Veranstaltung erfahren möchte, der muss sich schon auf den Weg nach München in das dortige Staatsarchiv machen. Der dort verwahrte Bestand „Saline (Hauptsalzamt) Traunstein“ weist unter der Nummer 72 einen einschlägigen Akt aus: „Die Feier des 200-jährigen Jubiläums und 250-jährigen an der k. b. Saline Traunstein im Jahre 1819 und 1869 und Centenarium des Carl-Theodor-Sudhauses 1886“. Der Verfasser wird diesen bei seinen Vorbereitung für die Ausstellung „Traunstein ohne Salz“ jedenfalls genauer unter seine „historische Lupe“ nehmen.

Zurück zur Webseite
Schließen