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Das Archivale des Monats

Oktober 2020 - Traunsteiner Kraftsportler vor 100 Jahren

Die Postkartensammlung des Stadtarchivs wurde in dieser Rubrik schon mehrfach anhand von Beispielen thematisiert. Auf über 2.100 Stück ist sie inzwischen angewachsen, und jedes Jahre erfährt sie im Schnitt zwischen 20 und 50 „historische Neuzugänge“, teils in Form von Schenkungen, teils über gezielt Ankäufe. Jedes Exponat wird dabei einzeln verzeichnet und einer vorgegebenen Systematik zugeteilt. „Stadtansichten“, „Straßen und Plätze“ sowie „Ereignisse und Sachbetreffe“, alles natürlich innerhalb der Stadt Traunstein, sind dabei die drei Hauptüberschriften. Bei den ersten beiden ist eine Zuordnung anhand des Motivs in aller Regel kein größeres Problem.

Anders aber verhält es sich im Bereich drei. Was fängt man zum Beispiel mit dem nachfolgenden Exponat an, einer Gruppenaufnahme von ca. 60 Sportlern, Funktionären und Schiedsrichtern? Die bildliche Darstellung gibt keinerlei Hinweis, weder auf das Ereignis noch eine genaue Datierung. Es bleibt auf den ersten Blick auch völlig unklar, ob es sich überhaupt um ein Traunstein-Motiv handelt.

Abhilfe schaffen kann hier nur die Rückseite, falls sie beschrieben ist und der Text auf die Abbildung eingeht. Und glücklicherweise ist das in unserem Beispiel der Fall. Unter „Traunstein, 23.8.[19]20 kann man Folgendes lesen: „Zu dem am 29. August im Sailer Keller hier nachmittags 2 Uhr stattfindenden Städtewettstreit Reichenhall – Traunstein beehren wir uns, die verehrlichen Herren Sportskollegen freundlichst einzuladen. Sportklub Chiemgau“; adressiert wurde diese Einladung an den „Spiel- & Sportverein Wasserburg, z[u] H[änden] des Herrn Oberlokomotivführer[s] Hahn, Wasserburg.“

Postkarte - Vorder- und Rückseite

Postkarte - Vorder- und Rückseite

Inserat Traunsteiner Wochenblatt

Inserat Traunsteiner Wochenblatt

Damit lässt sich arbeiten. Und falls man noch etwas mehr in Erfahrungen bringen möchte, empfiehlt sich immer ein Blick in die damalige Lokalzeitung. Dort, genauer gesagt im Traunsteiner Wochenblatt, findet man am 26. und 27. August 1920 ein großes Inserat, das den Programmablauf schildert. Durchgeführt wurden demnach Wettkämpfe im Ringen, Stemmen und Tauziehen, dazu Boxkämpfe sowie „der freie amerikan[insche] Ringkampf Cetsch es Cetsch“ mit Tanzeinlagen in den Zwischenpausen. Was leider fehlt, ist ein redaktioneller Bericht über deren Verlauf und Ausgang. Deutlich aber wird: Schon vor 100 Jahren haben die Kraftsportler und allen voran die Ringer einen vorderen Platz in der Traunsteiner Sportwelt eingenommen – und daran hat sich bis heute nichts geändert.

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