Poesie trifft auf bildende Kunst
„…Stille schaffen. Eine dichte Stille. Eine noch dichtere Stille“ heißt es in einem Text von Margret Kreidl, die mit einer Lesung die nächste Ausstellung der Städtischen Galerie Traunstein auf besondere Weise einleiten wird. Die Ausstellung mit dem Titel „Die Wege, im Gehege“ wird am Freitag, 6. Februar, um 19 Uhr im Kulturforum Klosterkirche eröffnet.
Die österreichische Autorin Margret Kreidl wurde 1964 in Salzburg geboren und lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Dort lehrt sie am renommierten Max Reinhard Seminar, einer Dependance der Universität Wien für Musik und Darstellende Kunst. Ihr literarisches Werk umfasst Prosa und Lyrik und ihre Texte haben einen zeitgenössisch experimentellen Charakter.
Erst 2024 erhielt Margret Kreidl den H.C. Artmann-Preis, der von der Stadt Wien für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik“ vergeben wird. In Traunstein trägt die Schriftstellerin das Langgedicht „Die Wege, im Gehege“ vor. Der Text entstand aus einer intensiven Beschäftigung mit dem künstlerischen Werk und Leben der kanadisch-amerikanischen Malerin Agnes Martin (1912 – 2004) und im Besonderen mit ihrer Bilderserie The Islands von 1979.
Die Lesung mit Margret Kreidl ist der Auftakt für die Ausstellung „Die Wege, im Gehege“. Die poetische Annäherung an Agnes Martin spiegelt deren zeichnerisch und malerisch intensive Auseinandersetzung mit den Größen Linie, Fläche, Dichte und Raum und mit der Fragestellung, wie Phänomene wie Stille, menschliche Existenz und Natur mit einer ungegenständlichen Formensprache bildnerisch erfasst werden können.
Agnes Martins minimalistische Abstraktionen, ihre große Sensibilität und ihr Ringen um reflexive und gestalterische Klarheit sind nach wie prägend und herausfordernd für viele heutige Kunstschaffende.
Die Städtische Galerie Traunstein hat deshalb die Künstler Christine Ott (München), Uwe Bressnik (Wien), Ivan Mellauner (Chieming) und Jeffrey Veit (Traunstein) eingeladen, Arbeiten zur Verfügung zu stellen, die entweder erst für die Ausstellung entstanden sind oder die bereits vorhanden waren und zur Thematik der Ausstellung passen.
Des Weiteren sind zwei Bilder aus der Städtischen Kunstsammlung der Stadt Traunstein und eine private Leihgabe der Ausstellung hinzugefügt worden. Drei Kunstwerke nämlich, die einen malerischen Resonanzraum für Konzentration und Kontemplation eröffnen. Somit sind auch der 2023 verstorbene Künstler Hermann Wagner sowie der Fridolfinger John Schmitz, dessen serielle Unendlichkeitsbilder überregional bekannt sind, mit Kunstwerken in der Ausstellung vertreten. Die Lesung von Margret Kreidl wird aufgezeichnet und nach der Eröffnungsveranstaltung als Hörstation in die Ausstellung integriert, ganz im Sinne des Mottos „Poesie trifft auf bildende Kunst“.
Dass die Lesung und die Ausstellung in dieser spannenden Form zustande kommen konnten, verdankt sich zum einen der terminlichen Fügung, dass die Städtische Galerie Traunstein Partner des derzeit laufenden Literaturfests „Leseglück“ ist und zum anderen dem Impuls des Künstlers Helmut Mühlbacher. Mit der 48.„Kunstsprechstunde“, Mühlbachers Gesprächs- und Diskussionsforum für aktuelle Kunst- und Gestaltungsfragen, die ausnahmsweise dieses Mal im Kulturforum stattfindet, ist Helmut Mühlbacher Kooperationspartner für die Eröffnungsveranstaltung.
Die Lesung von Margret Kreidl findet am Freitag, 6. Februar, um 19 Uhr im Kulturforum Klosterkirche im 2. OG statt, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Das Format der Kunstsprechstunde bietet im Anschluss an die Lesung die Möglichkeit des geteilten Nachdenkens über künstlerische Fragestellungen und den intensiven Austausch mit der Autorin und den anwesenden Künstlern.
Die Ausstellung „Die Wege, im Gehege“ dauert bis zum 1. März, die Öffnungszeiten der Städtischen Galerie im Kulturforum Klosterkirche sind Mittwoch bis Freitag von 11 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Öffentliche Rundgänge (Kunst am Morgen) finden statt am Mittwoch, 11. Februar, und Mittwoch, 18. Februar, jeweils um 11 Uhr, sowie am letzten Ausstellungstag, Sonntag, 1. März, um 16 Uhr.