40 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Pinerolo und Traunstein
Seit mittlerweile 40 Jahren besteht zwischen Pinerolo und Traunstein eine Städtepartnerschaft. Am 10. und 11. September reiste eine Stadtratsdelegation, bestehend aus zweiter Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner mit Ehemann Klaus Körner, Stadträtin Ursula Lay und dem Partnerstädte-Beauftragten Wilfried Schott, zu Jubiläumsfeierlichkeiten in die italienische Stadt im Piemont. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer konnte aus terminlichen Gründen nicht an der Reise teilnehmen.
Am Donnerstag, 10. September, stand zunächst die Eröffnung der 50. Ausgabe der Kunst- und Handwerksmesse „Rassegna dell’Artigianato del Pinerolese“ auf dem Programm. Bei der Gewerbeschau präsentieren sich – ähnlich wie bei der Truna in Traunstein – diverse örtliche Handwerksbetriebe, Geschäfte und Organisationen. Pinerolos Bürgermeister Luca Salvai begrüßte Traunsteins zweite Bürgermeisterin auf der Messe-Bühne, bevor sie eine kurzes Grußwort in italienischer Sprache verlas. Sie bedankte sich im Namen von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer sehr herzlich für die Einladung und sagte: „Für mich ist es immer wieder etwas Besonderes, hierherzukommen. Denn man spürt sofort: Hier ist nicht einfach eine Delegation aus Traunstein zu Besuch, sondern Freunde kommen zusammen. Menschen, die sich seit 1986 immer wieder die Hand gereicht haben – bei Schulbesuchen, Vereinsfahrten, gemeinsamen Projekten und natürlich bei vielen persönlichen Begegnungen.“ Mit einem anschließenden Rundgang durch die Messe und einem gemeinsamen Abendessen ging der erste Tag in Pinerolo zu Ende.
Am Freitag, 11. September, fand im Sitzungssaal des Rathauses der offizielle Festakt zum 40-jährigen Partnerstädte-Jubiläum statt. Burgi Mörtl-Körner erinnerte in ihrer Festrede zunächst an die Anfänge der Städtepartnerschaft im Jahr 1986: „Es waren der damalige Sindaco von Pinerolo, Livio Trombotto, und der damalige Oberbürgermeister von Traunstein, Rudolf Wamsler, die vor 40 Jahren die Verschwisterung unserer beiden Städte offiziell besiegelten. Dabei war die Städtepartnerschaft für Rudolf Wamsler weit mehr als eine freundschaftliche Verbindung zwischen zwei Kommunen. Er war ein überzeugter Europäer, und der europäische Gedanke war ihm ein ganz persönliches Anliegen. Er war davon überzeugt, dass Europa nicht allein durch politische Verträge und wirtschaftliche Zusammenarbeit zusammenwächst, sondern vor allem dadurch, dass Menschen über Grenzen hinweg miteinander in Kontakt kommen, sich kennenlernen und Vertrauen zueinander entwickeln. Genau dafür stand und steht die Partnerschaft zwischen Pinerolo und Traunstein: für ein Europa, das nicht nur auf dem Papier existiert, sondern von seinen Bürgerinnen und Bürgern gelebt wird.“ Zahlreiche Begegnungen hätten in den vier Jahrzehnten die europäische Städtefreundschaft mit Leben erfüllt: sei es bei schulischen oder beruflichen Austauschen, beim Sportlertreffen oder zahlreichen weiteren Begegnungen und Projekten auf Stadtrats- und Bürgerebene.
„Wirtschaftliche Unsicherheit, die rasante Entwicklung der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz, die Klimakrise und nicht zuletzt das Erstarken populistischer und nationalistischer Kräfte in vielen Ländern stellen den europäischen Zusammenhalt auf eine harte Probe“, so die zweite Bürgermeisterin in ihrer Ansprache. „In solchen Zeiten wird besonders deutlich, wie aktuell der Gedanke ist, der unsere Partnerschaft von Anfang an getragen hat: Europa ist nicht nur ein politisches Projekt, nicht nur eine Gemeinschaft aus Verträgen und Institutionen. Europa lebt von den Menschen, die einander begegnen, sich kennenlernen und Vertrauen zueinander entwickeln. Genau hier liegt die besondere Stärke von Städtepartnerschaften. Deshalb bin ich zutiefst überzeugt: Städtepartnerschaften sind auch ein Stück gelebte Friedensarbeit. Denn Frieden beginnt nicht erst in großen politischen Verhandlungen. Frieden beginnt dort, wo Menschen miteinander sprechen, einander zuhören und bereit sind, die Perspektive des anderen kennenzulernen.“
Pinerolos Bürgermeister Luca Salvai sprach in seiner Rede von Vertrautheit und von Traunstein als zweite Heimat: "Wenn ich auf die Geschichte zwischen unserer Stadt und Traunstein schaue, ist das Wort, das mir einfällt, Vertrauen. In diesen vierzig Jahren haben wir gezeigt, dass wahre Nähe zwischen Menschen jede geografische oder sprachliche Distanz überwindet. Dieses Jubiläum ist kein Grund, sich zurückzulehnen und in die Vergangenheit zu schauen, sondern der Funke, um neue Ideen, Handels-, Kultur- und Jugendaustausche zu starten. Traunstein ist für uns kein institutioneller Partner, sie fühlt sich wie zu Hause an."
Nach den Ansprachen und dem Austausch von Geschenken klang das Jubiläumsfest bei bester Stimmung und einem festlichen Abendessen aus.
Die Traunsteiner Delegation brachte Pinerolos Bürgermeister ein Aquarell von Günther Lederer (mit der Salinenkapelle) und einen Birnbaum zum Einpflanzen mit. Dieser wurde inzwischen von Giulia Proietti (Foto), Mitarbeiterin bei der Stadtverwaltung zuständig für Sport, Verkehr und öffentliche Grünflächen, in Pinerolo eingepflanzt.