Tröstliche Hilfe nach schweren Schicksalsschlägen

Daniel Georg-Stoklossa stellte Fachstelle für Kinder- und Jugendtrauer beim Runden sozialen Tisch vor

Der Verlust durch den Tod von Angehörigen ist für jede Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Ist die Bewältigung von Trauer und Schmerz schon für Erwachsene eine große Herausforderung, so leiden Kinder und Jugendliche als Abhängige oft doppelt unter der Situation: Sie müssen mit der Trauer des verbleibenden Elternteils und ihren eigenen Verlustgefühlen fertig werden.

Für ihre Belange gibt es seit September vergangenen Jahres einen kompetenten Ansprechpartner: Die GefühlsHelden gGmbH als Fachstelle für Kinder- und Jugendtrauer mit Sitz in Surberg und Traunstein. Über die verschiedenen Angebote der Einrichtung informierte jetzt Geschäftsführer Daniel Georg-Stoklossa beim Runden sozialen Tisch der Stadt Traunstein. Dieser fördert unter der Leitung der früheren Dritten Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner bei regelmäßigen Informationstreffen die Vernetzung und den Austausch von rund 40 sozialen Einrichtungen und Verbänden im Stadtbereich.

Wie Georg-Stoklossa erläuterte, begleitet er als Erziehungswissenschaftler und Traumapädagoge mit über 20 Jahren Erfahrung Menschen in herausfordernden Lebenssituationen. Seine Schwerpunkte liegen in der Trauer- und Krisenbegleitung sowie in verschiedenen Coaching- und Beratungsmethoden. Die fünf Mitarbeitenden der GefühlsHelden gGmbH bringen berufliche Kompetenzen als Trauerbegleiter, Erzieherin und Heilpädagogin sowie aus dem Bereich Pädagogik und Trauer-, Trennungs- und Scheidungsgruppen mit ein. Wie Georg-Stoklossa weiter erklärte, sei die „Nachfrage enorm“, da der Tod Angehöriger oft auch noch mit vielen Tabus belegt sei.

Seinen Worten nach hat die unterstützende und ganzheitlich orientierte Trauerbegleitung die ganze Familie im Blick. Da Kinder und Jugendliche nach einem Verlust anders trauern als Erwachsene bräuchten sie eine alters-, entwicklungs- und bedürfnisbezogene Begleitung, um die Verlusterfahrungen heilsam verarbeiten und so Resilienz entwickeln zu können. „Umgekehrt kann sich nicht gelebte Trauer langfristig negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken und so später zu emotionalen Schwierigkeiten oder Bindungsproblemen führen“, erläuterte der Pädagoge.

Neben der ressourcenorientierten und pädagogischen Einzelarbeit bietet die GefühlsHelden gGmbH auch Familienbegleitung und regelmäßige Gruppenangebote für Kinder von sechs bis zwölf Jahren an.

Georg-Stoklossa schilderte schwierige Fälle wie die vom Tod eines Vaters von drei Kindern bei Waldarbeiten, der bei der Tochter schwere Schuldgefühle hervorgerufen hatte. In einem anderen Fall litt ein Junge emotional sehr stark unter dem bereits länger zurückliegenden Tod des Bruders, „weil darüber in der Familie nicht gesprochen worden ist“. Gerade deshalb sei es wichtig, „das ganze Familiensystem im Blick zu haben“ und offen über die Gefühle zu sprechen.

In der Diskussion interessierten die rund 30 Teilnehmer Fragen der Finanzierung. Georg-Stoklossa verwies darauf, dass die Dienstleistungen aufgrund der finanziell oft schwierigen Situation Hinterbliebener in den meisten Fälle ohne Eigenleitung erfolgten. Die Surberger Einrichtung werde tatkräftig unterstützt vom Verein „Vergissmeinnicht Chiemgau e.V.“ und kooperiert mit den umliegenden Vereinen Kinderkrebshilfe BGL-TS und Kinderschutzbund e.V. Die Bürgerstiftung Traunsteiner Land stelle weitere Hilfe in Aussicht, wie deren Geschäftsführer Stefan Eisenreich betonte. Traudl Wiesholer-Niederlöhner brachte auch den Traunsteiner Unterstützungsverein „…die im Dunkeln sieht man nicht“ zur Sprache. Georg-Stoklossa bejahte auch die Frage der Dipl.-Sozialpädagogin Andrea Jäger, ob die GefühlsHelden mit der Erziehungsberatungsstelle der Caritas zusammenarbeiten. Inwiefern der Tod als Tabuthema ein Problem sei, lautete eine weitere Frage. Georg-Stoklossa entgegnete, im Fall von verdrängten Emotionen der Eltern spiegle sich dies oft in Auffälligkeiten der Kinder wider. Deshalb seien deren frühzeitige Einbindung in den Trauerprozess und offene Kommunikation wichtig.

Pfarrerin Hannah von Schroeders erkundigte sich nach den Kapazitäten. Die Auslastung sei hoch, trotzdem erfolgt in der Regel ein Erstgespräch innerhalb von 14 Tagen nach dem Erstkontakt, sagte Georg-Stoklossa. Ob die Einrichtung an Grundschulen bekannt sei, wollte die Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner wissen. Der Erziehungswissenschaftler verwies auf Rückmeldungen von Sozialarbeitern und das Angebot von Lehrerfortbildungen. Schulamtsdirektor Clemens Gruber gab zu bedenken, dass oftmals der Datenschutz und Vorbehalte der Eltern – auch gegenüber Schulpsychologen – ein Problem seien.

Dass die Hinterbliebenenversorgung für jung verwitwete Eltern „ein bürokratischer Albtraum“ sei, kritisierte Anja Preuster vom Mütterzentrum. Christina Hille von der Arbeiterwohlfahrt verwies diesbezüglich auf das Hilfsangebot der „Formularwerkstatt“ im Landratsamt. Anknüpfungspunkte gebe es zudem auch bei der AWO-Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“.

Werner Fertl vom Landratsamt erkundigte sich nach der Zusammenarbeit mit Bestattern. Georg-Stoklossa verwies auf „sehr gute unterstützende Kontakte“ und „großes Interesse“. So habe ein Vortrag über Kindertrauer überraschende 70 Besucher verzeichnet.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer zeigte sich berührt von den tiefen Einblicken in die „sehr wertvolle Arbeit“ der Einrichtung.